
Perspektivwechsel
Freitag, 26. Juli,
„Ich würde viel dafür geben, die Denkweise eines anderen Menschen ausprobieren zu können.“ – Poesie
Das wird vielleicht nichts, aber dafür habe ich heute etwas anderes für euch.
Die Credits für diesen Beitrag gehen an meinen besten Freund:
Mission: Was sehe ich beim Zugfahren.
Ich fahre immer von Meeschensee bis Wandsbeker Chaussee Bahn. Jeden Tag hin und jeden Tag zurück, also die Wochentage. Alle meinen, es sei Zeitverschwendung und ich sollte ausziehen. Ich kann euch nicht sagen, warum, aber ich genieße es. Die Bahnfahrt ist mein ruhiger Ort. Ich kann nichts verändern und bin daran gebunden. Also bin ich machtlos. Somit schweifen meine Gedanken auch oft ab. Ich fahre los.
Bei uns wurde gerade ein neuer Fahrradweg zur nächsten Haltestelle asphaltiert. Wusstet ihr, dass das Asphaltieren nur einen Tag gedauert hat, die Vorbereitungen dafür aber über vier Wochen? Warum? Sind die Maschinen zum Asphaltieren so teuer, dass somit in dem Arbeitsschritt effizient gearbeitet wird, oder liegt es daran, dass Probleme auftreten, wenn es in mehreren Schritten durchgeführt wird? Ich habe Vermutungen, aber genau kann ich es nicht sagen… Eine Woche später steht auf einmal ein Doppelstabmattenzaun neben den Gleisen. Das müssen bestimmt 1000 Meter oder mehr sein. Ist der einfach gespawnt? Wie haben die das gemacht? Ich bin fasziniert. Wir fahren also weiter und da kommt das Umspannwerk. (Hier wird Strom auf eine andere Voltzahl transformiert, damit wir ihn auch bei uns im Haus benutzen können). Meine ersten Gedanken: „Warum ist da eine Baustelle und wie sind diese Leute an den Job gekommen? Wo wurde es ausgeschrieben? Ist es eigentlich privat oder etwas Öffentliches oder was dazwischen?“
Es strömen Fragen über Fragen über Fragen in meinen Kopf. Manche Sachen google ich. Manche nehme ich hin, weil man ja nicht alles wissen kann, und bei manchen denke ich mir meinen Teil… Und so geht die Fahrt weiter. Jetzt kommt endlich die Station, wo die kack Schüler aussteigen, die einem übelst auf den Sack gehen und zack, muss man schon in die U-Bahn umsteigen. Dann kommt ein Tunnel nach dem anderen. Haben die sich wohl rentiert? Und warum hat man keine Brücken gebaut? Und dann kommen wir zu meiner Lieblingsbaustelle bei Ohlsdorf! Bagger! Spezialbagger! Spezialkräne! Alles ist da und es wird immer spannender! Weil sie so vieles gleichzeitig machen. Wäre es eigentlich hilfreich, wenn man einen Schichtbetrieb einführen würde? Kann ich davon noch was lernen? Warum bauen sie Bahnhöfe immer aus Glas!!! Entweder sind sie Schrott, zerkratzt oder übelst eklig! Aber das sind die bescheuerten Architekten… Naja, was soll ich sagen… So in etwa sieht meine Tour zur Uni aus …
Dennis Schuck
Freitag, 26. Juli
Manchmal überraschen einen selbst die Personen, von denen man denkt, dass man sie am besten kennt. Nicht umsonst heißt es, dass zu einer Momentaufnahme hundert verschiedene Wahrnehmungen existieren, sofern hundert Menschen an dieser Situation beteiligt waren.
Jetzt, wo du, mein aufmerksamer Leser, zwei verschiedene Wahrnehmungen einer Bahnfahrt gelesen hast, bin ich sehr neugierig:
Denkst du anders über deine Mitmenschen?

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