Tagebuch Eintrag

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Wegweiser zu einer Requisitenhalle

Montag, 2. September,

Ich habe ein quadratisches, rosanes Buch mit weißen, gepunkteten, blanken Seiten in meinem Besitz. Es ist mein Tagebuch und gleichsam der Namensgeber dieses Blogs. Die Idee war, einen Blog zu führen, der ehrlich, emotional, offen und gefüllt mit für mich relevanten Gedanken ist. Ganz wie ein Tagebuch. In den vergangenen Tagen wurde ich einige Male gefragt, ob ich die Gedanken in diesem rosanen Buch teilen würde. Sollte ich Angst haben, dass mit ihnen etwas angestellt werden könnte? Denkt jemand, sie könnten mir unangenehm sein?

Ich hatte erwartet, Menschen würden Worte hören wollen, die die schnellen Gedanken einer Person überragen.

Liebes Tagebuch,

01.09.24
Zuhause, 23:00 Uhr

Wenn das Leben vorbei ist, wird sich niemand um meine Gedanken, um mein Leben scheren – genau so sollte es sein.

Bis dahin entscheide ich, welche Gedanken meinen Kopf beherrschen; welche Optionen in meinem Hirn gegeneinander um die Wette argumentieren und dort verbalen Krieg führen, um den Platz zu erkämpfen, zu ausgelebten Ideen zu werden. Ich bestimme, welche Menschen emotionale Aufmerksamkeit erhalten und wohlgemerkt meine mentale Gesundheit gefährden oder begünstigen werden. Es ist auch meine Entscheidung, womit ich die wenigen Lebenstage verbringe, die ich besitze und ich bestimme die Wahrscheinlichkeit, mit der ich ansatzweise etwas für andere Menschen hinterlasse, die nach mir eine Welt erleben, an deren Aufbau und Erhalt ich gerade beteiligt bin.

Das also bringt für mich die Gewissheit, dass es nicht der richtige Moment ist, auf eine Seele zu warten, die im Beisein Meiner mehr Freude am Unbedeutendsein findet.

Nicht, dass ich beabsichtigt hätte, eine Erinnerung zu erfahren, mich der Relevanz zu widmen, für die ich in meinen wenigen Tagen brenne. Doch so wurde mir, ganz prägnant leuchtend wie eine rote Warnflagge, die allumfassende Leidenschaft in Erinnerung gerufen, für die ich zu brennen bereit bin. Das Ersticken einer wenige Wochen anhaltenden auflodernden Vorform einer Leidenschaft erinnerte mich daran, was ich zumeist während des Niederschreibens jener Gedanken, die wohl in Unbedeutsamkeit für anderen Menschen von ihnen vergessen werden, fühlen lässt. Es wird vergessen werden, wie eben alles.

Nicht interessiert daran, diese Worte einfach so stehen zu lassen, möchte ich ein, zwei Ergänzungen hinzufügen:

Mir bereitet es Freude, meine Gedanken ungefiltert auf eine kreative Form niederzuschreiben. Aber sicherlich haben sie nicht dieselbe Wirkung auf Personen, die nicht gerade exakt die selben Gedankengänge teilen. So oder vergleichbar sehen meine Tagebucheinträge in der Regel aus. Sie sind chaotisch, verstrickt und die Sätze sind schlicht zu lang. Wahrscheinlich lässt sich nicht einmal der Humor herauslesen, mit dem ich gedanklich an die Worte herangegangen bin.

Für mich gilt, dass die gerade von dir gelesenen Sätze mich dazu motivieren, an meinen Ideen festzuhalten und an das Positive im Leben zu glauben. Ich hätte keine Angst davor, meine Tagebucheinträge hier offen darzulegen. Die Frage ist, ob es Menschen interessieren würde in eben dieser Schreibform, die ich unüberlegt auf das Papier bringe.


Sitenote: Während des Verfassens dieses Beitrags habe ich Musik gehört, die du dir ungefähr so vorstellen kannst:

„You know she one of mine when
she tattoo that ass.
I’m a lover boy
She love the toys
Keep it comin’ you a rider.“

DEAD MAN WALKING – Brent Faiyaz

Das Leben bringt mehr Spaß, wenn man es humorvoll und locker angeht, wissend, dass kein Drama dramatisch ist und kein „lebenslang“ ein Leben überdauert.

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