Beständig am Verändern

05.09.2024 – Letzter Tag im Fitnessstudio

Beständig am Verändern

Samstag, 7. Sep,

Um meine Leidenschaft für das heutige Thema zu unterstreichen, greife ich zum Euphemismus und Klimax – nicht im erotischen, sondern im rhetorischen Sinne (Beschönigung & Übertreibung). Bitte urteilt nicht vorschnell über mein vermeintlich zwanghaftes Streben nach Veränderung, sondern erkennt die Hingabe, mit der ich für dieses Thema schwärme, als pure Leidenschaft an.

Wie langweilig wäre es, morgen dieselbe Person von heute zu sein.

Bevor ich die Beständigkeit verbal als minderwertig darstelle, da mir die konträre Seite der Veränderung mehr zusagt und ich deshalb den beständigkeitsliebenden unter euch den Kampf ansage, möchte ich der ausdauernden Leserschaft Honig ums Maul schmieren. Sicherlich bleiben eure regelmäßigen Besuche auf diesem Blog nicht unbemerkt, sie sind absolut unentbehrlich würde ich meinen. Denn das regelmäßige hochladen alleine gewinnt erst an Bedeutung, wenn eure Reaktion darauf folgt. Würde keiner dieser Schritte wiederholt gemacht werden, bestehe kein Sinn in diesen Worten. Ohne Beständigkeit könnte es keinen Wandel geben. Absolut nicht sogar, denn der Vergleich zu einer starken Gegenposition, die unverändert bleibt, liefert erst einen Maßstab für das Ausmaß der Wandlung, die erlebt wird. So kommt es, dass aus Beständigkeit heraus viel Wissen, viel Motivation, Realisation und letztlich die Bereitschaft zur Veränderung resultiert.

Von der Beständigkeit zur Veränderung übergehend, möchte ich behaupten: Meine Theorie sei, dass Beständigkeit schmackhafter scheint, je mehr das zu servierende Gericht angepriesen wird und sich das finale Lob verdient, da der erste Bissen für sich sprechen wird.

Ziemlich sicher kann ich behaupten, Veränderung zu erfahren sei ein stetiges Bedürfnis von mir. Egal, ob es sich um Menschen, Orte, Hobbys oder selbst Gewohnheiten handelt: Kein Tag soll wie der vorherige sein. Schaut man sich die Natur an, lässt sich erahnen, dass nichts ist wie etwas Zweites. Kein Blatt, kein Fingerabdruck, kein Sonnenstrahl und kein Haar am Körper. Alles ist auf seine Art anders, man könnte sagen fehlerhaft oder imperfekt. Darf ich deshalb behaupten, aufgrund der Vielzahl an Ungleichheiten um mich herum ein Bedürfnis danach zu verspüren, all die Unterschiede kennenlernen zu wollen? Ja, ich denke, diese Freiheit nehme ich mir heute heraus.

Ich möchte nicht mein Leben lang dieselben Fehler machen – genau einmal reicht, und danach wäre es schön, aus ihnen gelernt zu haben. Aber zu wissen, dass gerade alles richtig läuft, ist noch weniger ein Grund dafür, morgen zu leben wie heute und übermorgen schon gar nicht. Keine Fehler zu machen, bringt sicherlich keinen Spaß. Wie ich gelernt habe, hilft das regelmäßige Ausüben einer Sportart nicht im Geringsten dabei, eine andere Sportart, in der ein anderes Bewegungsspektrum gefordert wird, ansatzweise besser zu erlernen. Vorgestern habe ich das letzte Mal vor dem Auslaufen der Fitnessstudio-Mitgliedschaft die Gewichte an der Beinpresse, dem Beinstrecker und dem Ab- und Adduktor hochgedrückt. Gestern wurde mir in meiner ersten Ballettstunde deutlich gezeigt, dass keine der bekannten Bewegungsabläufe des Fitnessstudios hier einen Verwendungszweck finden können. So wurde ich dafür korrigiert, während des Pliés gesquattet zu haben, den Po nach außen statt zur Mitte drücken zu wollen, und musste realisieren, dass die hart antrainierten, „stählernen“ Muskeln nichts für eine gute Körperspannung tun. Auf gut Deutsch gesagt fühlte ich mich nach dieser Sporteinheit geerdet und wohlgemerkt unsportlich und taktlos. Umso deutlicher bestärkt eine solche Erkenntnis mich in der Vorstellung, eine neue Sportart zu finden, die nach langer Zeit einmal wieder zu einem veränderten Körpergefühl führt. Nicht, dass die gesammelten Erfahrungen der zweijährigen Sporteinheiten im Studio verlorengehen würden. Nein, die kommenden Ballettstunden werden eine andere Art der Selbstwahrnehmung ergänzend zu allen bereits zuvor gemachten Erfahrungen beitragen.

Darf dieser Prozess alternativ als persönliches Wachstum bezeichnet werden? Wenn ja, dann hat eine solche Feststellung zur Folge, eine Sucht nach der Suche nach Unbeständigkeit, nach Neuem, nach Unbekanntem zu erwecken.

Der Versuch, etwas Wandelndes greifbar werden zu lassen, bringt schier unendlich viele Herausforderungen mit sich. Denn intuitiv würde ich meinen, etwas nicht zu wissen, nicht beschreiben zu können und vielmehr im Moment zu leben, als auf vergangene Erfahrungen zu vertrauen, ist das, worum die Veränderung einen Menschen bittet.

„Veränderung – daran merkt man, dass man lebt.“

Ergänzte meine liebe Arbeitskollegin Celine auf den Punkt gebracht das zu beschreiben versuchte Lebensgefühl.


Dazu passend kam heute die Frage auf:

Was wissen die Bäume, was wir zu blind sind, zu erkennen? Der Herbst ist meine liebste Jahreszeit, aber es scheint, als würde er dieses Jahr deutlich früher seine Farben zeigen.

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