Donnerstag

10.09.2024 Innenhof Hamburg, Stadtteil Eppendorf

Donnerstag

Donnerstag, 12. Sep,

Kochrezept Vorsatz:

Voraussetzung:

Ein beliebiger Wochentag

Eine beliebige Uhrzeit

1–10 Ideen (nach Wahl und Geschmack)

Motivation

Optimismus

Offenheit

Neugier

Unsicherheit

Zweifel

So geht es:

Sarkasmus und Ironie liebend, wie ich bin, stelle ich provokanterweise und auch aus ehrlichem Interesse und purer Neugier jedes Jahr aufs Neue die Frage: „Was sind deine Neujahrsvorsätze?“ Aus dem Grund, dass die darauf folgende Reaktion meist für mich als fragende Person unerwartet ist und anschließend zu interessanten Gesprächsthemen führt. Nichts ist bedeutender, als über die Träume, Sehnsüchte und Wünsche von Menschen zu sprechen, die gerade einen gesellschaftlichen Anstoß – DEN Anstoß – erhalten, ihre Ideen in den Alltag zu integrieren.

Warum ich heute an einem unbedeutenden Dienstag mit diesem Thema ankomme, obwohl dem neuen Jahr von keiner Person Beachtung geschenkt wird, fragst du dich? Ich frage mich, warum einem so leidenschaftlichen Thema nur einmal pro Jahr diese Aufmerksamkeit geschenkt wird, da es jedem unbedeutenden Tag Bedeutung geben kann. Ist es provokant, dass ich das Denken von so vielen Menschen gerade infrage stelle und indirekt behaupte, man würde ein Leben führen, das schöner sein könnte? Vielleicht. Interessant, dass dieser Gedanke nun im Raum steht? Das entscheidest du. Jedenfalls sind wir gerade genauso in die Thematik der Vorsätze hineingerutscht, wie wir alle in drei Monaten am Abend des 31.12. „ins neue Jahr rutschen“ werden.

Wenn ich mich frage, was ein besagter Vorsatz ist, dann würde ich sagen: Eine gefasste Idee, die in der eigenen Vorstellung zu einem schöneren Leben führen wird, sollte sie umgesetzt werden. Ohne Stress oder Druck erzeugen zu wollen, gilt die unausgesprochene Regel: Jede Idee hat ihre Berechtigung, aber sie passt nicht immer in das eigene Leben.

In der Klausurenphase hat Lernen größere Priorität als das Schreiben von Beiträgen, klare Sache. Ebenso wollte ich mit dem Tanzen nicht beginnen, bevor meine Fitnessstudiomitgliedschaft beendet war, oder mir die Haare färben lassen, bevor die Dauerwelle nicht vollends rausgewachsen ist. Ich würde mir kein neues Handy kaufen, bevor das jetzige nicht mindestens drei Jahre in Benutzung war oder tragischerweise kaputtgegangen ist. Ja, sogar ein Shampoo hole ich mir nicht neu, bevor das aktuelle nicht leer gemacht wurde. Es wäre ein Irrglaube zu meinen, die Zeit laufe für irgendetwas davon, während man mitten im Leben steht und dabei zufriedener nicht sein könnte.

Gedanken kommen und gehen. Die, die bleiben, werden zu Ideen. Und sollten sie sich lange genug im Gedächtnis halten, sich bildlich gesprochen fest verankern, dann wird ihr Augenblick kommen.

Es ist niemals wirklich schade, wenn ein Teil der Alltagsroutine wegfällt, weil sich das Umfeld verändert, der Beruf gewechselt wird, Freunde für eine Zeit ins Ausland gehen oder die Decke vor Langeweile droht, einem selbst auf den Kopf zu fallen.

In regelmäßigen Abständen entstehen Situationen, in denen Raum für andere Gewohnheiten entsteht, in denen ein neues Parfum ausprobiert werden will, ein Datum für ein Date gefunden wird, da sich zwei Menschen verstehen, oder ein Gedankenanstoß von außen schlicht zu dem Wunsch einer Veränderung der eigenen Person führt.

Wofür sind Vorsätze, Sehnsüchte, Träume da, wenn nicht, um den neu entstandenen Raum zu füllen?

In meinem Ohr höre ich unglaublich viele Stimmen von Mitmenschen, von engen Freunden und Bekannten und von Menschen, die mich nicht mögen. (Vielleicht werde ich verrückt.) Sie argumentieren gegen die Gedanken, die gerade geäußert wurden.

Was ist, wenn ein Mensch stirbt und ich trauere, anstatt diese Ideen umzusetzen und meine „neu gewonnene Zeit“ zu nutzen, weil ich keine Zeit mehr mit diesem Menschen verbringen kann?

Wie sieht es mit schlechten Entscheidungen aus, die ich bereuen werde, und woher weiß ich, dass das nicht passieren kann?

Wenn all diese Vorsätze umgesetzt werden, bin ich dann nicht mehr ich selbst? Forderst du von mir, dass ich mich verliere oder mich so sehr verändere?

Ich möchte gerne erwähnen, dass es nichts ist, was einen dieser Zweifel ausschließt, wenn man die eigenen Gedanken zur Wirklichkeit werden lässt. Sie werden da sein. Diese und viele weitere Argumente gegen Veränderung begleiten die Reise – viel Freude mit ihnen. Aber um deine Neugier auf das, was folgen könnte, zu befeuern, möchte ich nur eine Kleinigkeit hinzufügen:

Die Kombination aus spontanen und überlegten Entscheidungen, aus Zweifeln und Sicherheiten, aus Ignoranz und Überzeugungen ist es, die ziemlich sicher zu dem Jahresplottwist führt, nach dem wir uns alle sehnen.


Erinnerst du dich noch an deine Vorsätze, die du zu Neujahr gefasst hast?

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