
Nach dem Liebeskummer,
Sonntag, 16. Mär,
Liebeskummer fühlt sich an, als würde die Welt für einen Moment stillstehen. Alles, was vorher selbstverständlich war, bekommt plötzlich Risse. Es ist ein Zustand, den man nicht einfach in Worte fassen kann – er muss gespürt werden. Mit 19 Jahren steckte ich mitten drin. Heute teile ich ein paar Gedanken mit dir, die dich vielleicht nicht meine Gefühlswelt spüren lassen, aber deine Gedankenwelt verändern könnten (so wie sie meine verändert hat).
Was passiert, wenn man den Schmerz nicht betäubt, nicht ignoriert – sondern ihn für sich selbst nutzt?
19.02.2022
Liebes Tagebuch,
In dem Buch, das ich gelesen habe, steht: „Die einzige Beziehung, die wir führen, ist die mit uns selbst – wenn wir alleine sind, aber auch durch andere Menschen.“ Außerdem heißt es dort, dass die Liebe des Lebens uns am meisten über uns selbst verrät. Wie lange sie andauert, spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, was sie uns zeigt. Und dass die unerwiderte Liebe zu einem Menschen eine schmerzhafte Selbsterkenntnis in uns auslöst, die unser Leben anschließend lebenswerter macht.
Liebe ist dazu da, um aus ihr zu lernen und die eigenen Fehler vor Augen geführt zu bekommen, um an sich zu arbeiten und ein erfülltes Leben zu führen.
Sie ist quasi die eigentliche Schule des Lebens.
Doch anstatt diese Aufgabe anzugehen, nachdem man verletzt wurde, stürzen sich die meisten Menschen in die nächste Beziehung:
… weil es viel zu schmerzhaft ist und das eigene Ego kränkt, wenn man beginnt, sich und seine Entscheidungen zu reflektieren.
… weil es Zeit erfordert und anstrengend ist, zu ergründen, was an dem ehemaligen Partner so besonders war.
… weil es viel leichter ist, den Ehrgeiz eines Menschen zu bewundern, als selbst aktiv zu werden.
Es stärkt das eigene Ego, zu wissen, dass man einen Partner hat, der sein Leben so führt, wie man es in seiner eigenen Wunschvorstellung als perfekt ansieht.
Wie ironisch ist es, dass man sich in einen Menschen verliebt, der all das tut, was man eigentlich gerne tun würde – anstatt es selbst zu tun?
Aber so tiefgehend sind wir nicht.
Menschen sind Meister der oberflächlichen Betrachtung. Die wenigsten nehmen sich die Zeit, das, was um sie herum passiert, wirklich in sich aufzunehmen.
Während all diese Gedanken im Zeitraffer in meinem Kopf ablaufen, verspüre ich zweierlei Emotionen:
Trauer, weil mir kein Mensch in den Sinn gekommen ist, der nach einem gebrochenen Herzen begonnen hat, diesen Schmerz in endlose Macht über sich selbst umzuwandeln – obwohl gerade der Herzschmerz einem Menschen mehr denn je verdeutlicht, was er für sich selbst möchte.
Freude, weil das Leben so leicht ist!
Alles, was ich mache, tue, sage, verehre, denke … bin ich!
Alles um mich herum ist ein Teil von mir. Es gibt so vieles, was ich nicht beeinflussen kann.
90 % meiner (negativen) Welt lassen sich in Luft auflösen, wenn ich es möchte:
Wie andere Menschen über mich denken? Spielt keine Rolle.
Die wenigsten denken überhaupt an mich. Und wenn sie schlecht über mich denken, dann nur, weil sie selbst nicht mit sich im Reinen sind.
Ein Mensch, der so viel über einen zweiten nachdenkt, verpasst das Leben.
Wie ich Jungs beeindrucke? Warum sollte ich?
Entweder sie mögen mich – oder eben nicht. Ich mag mich.
Ich arbeite gerne an mir, an meinen Stärken und meinen Schwächen.
Wenn ein Junge kommen sollte, der mir gefällt, stelle ich mich diesem Thema wieder.
Doch gerade kann ich das erste Mal von mir behaupten, wahrhaftig nicht mehr Menschen als meine Freunde, meine Familie und mich selbst zu brauchen, um glücklich zu sein.
Mein gebrochenes Herz? Ist irgendwie weg.
Ich weiß noch nicht genau, wieso – aber nach dieser Erkenntnis hat sich der Gedanke daran, über einen Jungen nachzudenken, als sinnlos herausgestellt.
Ich weiß, dass er mir nicht mehr geben kann als das, was ich erkannt und umgesetzt habe: […] (behalte ich für mich).
Ich weiß nicht, ob ich die Verbindung von meiner Seite aus rückblickend als wahre Liebe bezeichnen würde.
Doch sicher ist: Ich habe einen Menschen gehen lassen – und mich selbst dabei gefunden.
Natürlich werde ich mich immer weiterentwickeln. Es wird Menschen geben, die meine Perspektive verändern und mir zeigen, was ich in meinem Leben anders machen könnte.
Aber das ist alles, was ich aus diesem einen Bruch meines Herzens mitnehmen konnte.
Es wurde kaputt gemacht und aufgerissen, nur damit es als größeres, stärker schlagendes Herz wieder zusammenwachsen kann.
Ich weiß, dass es noch nicht verheilt ist.
Aber es ist jetzt schon offener für die Welt, als es vorher war.

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