
Widerspruch der Zeitgeister,
Samstag, 19. Apr,
Fragen tue ich mich in der Tat, ob der heutige Gedanke ein gerechtfertigter ist, da geurteilt wird. Ich überlege, ihn für mich zu behalten, bis er ganz und gar durchdacht ist. Doch der Prozess eines Gedanken ist nicht zu unterschätzen, und das Mitdenken Anderer kann mehr noch zielführend sein, als das alleinige Verrücktwerden mit einem solchen Goldbarren in meinem Besitz, der doch nur dort bleibt und mir schwer in der Tasche liegt. Doch zweifeln tue ich, was diese Überlegung angeht. Ich verhöhne, verspotte und stelle in Frage. Wer bin ich, das zu tun? Eine Kröte oder eine denkende? Und wünsche ich euch ein Leben, das genauso ist wie meines? Natürlich nicht, um Himmels willen. Wer wäre ich, zu sagen, ich lebe ein lebenswerteres Leben als ein zweiter Mensch, da ich einen Gedanken mehr in eine Richtung hatte. Und das, obwohl du mit Sicherheit drei mehr in eine andere Richtung hattest, die ich nie haben werde!
Darum sei gesagt, dass diese Überlegung nicht mehr als ein Vorschlag, meine innere Einstellung, eine andere Lebensweise eben ist, nicht jedoch der Weg an dein Ziel.
Ich liebe meine Familie, meine Eltern, die mich erzogen, meine Großeltern, die Vielfalt in mein Leben brachten, und meine Urgroßeltern, die ich nicht einmal zu kennen vermochte und doch all das zu verdanken habe, was heute als „mein“ benannt werden darf.
Darum fällt es mir schwer, eine Form von Liebe, von Verbundenheit zu hinterfragen, die mich heute zu dem gemacht hat, was Worte des Trotzes nennt.
Doch ich komme nicht drum herum, an diesem Ast des vorgelebten Lebens zu sägen. Denn mehr noch, als ein Ideal vorgelebt zu bekommen, stehe ich in der Pflicht, es zu hinterfragen.
Ein Gedanke, der immer wieder wie ein Feuerwerk in meinem Kopf aufblitzt: Ich bin es, die für alle Einflüsse in meinem Leben verantwortlich ist. Für Freunde, für Unternehmungen, meine Zeitgestaltung, Worte, die zu mir gesagt werden dürfen, und Worte, die ich von mir gebe.
Eine bescheidene Einstellung ist es, zu sagen: „Ich alleine bin for mein Glück verantwortlich.“
Doch bei der Beantwortung der Frage: „Bin ich glücklich?“ fällt erst die Wortgewalt auf, die mit dieser Lebenseinstellung einhergeht.
Nur ich, kein anderer?
Was ist mit den Freunden, die mich durch Zurechtweisung verletzt haben?
Selbst ausgesucht.
Was ist mit dem Studiengang, in dem ich gar nicht so gut bin wie erhofft?
Ich studiere aus freien Stücken.
Wie steht es um die lange Busfahrt, die ich zu meinem Arbeitsplatz zurücklegen muss?
Der Markt ist ein Arbeitnehmer-, kein Arbeitgeber-Markt – ich suche mir meinen Arbeitgeber aus.
Man erkläre mir, weshalb ein Mensch sagt: „Mein Partner macht mich nicht glücklich“, und sich doch nicht von ihm löst.
Und man erkläre mir, weshalb ein Mensch es wagt zu sagen: „Meine Freunde sind ein schlechter Einfluss“, und doch bei diesen Freunden bleibt.
Und man sage mir jetzt, weshalb das Äußere eines Menschen im starken Widerspruch zu den eigentlichen Wünschen des Aussehens steht, und man es doch beibehält. So häufig höre ich unzufriedene Äußerungen über das Körpergewicht, über die Frisur, über die Kleidung, die nicht zum Charakter zu passen scheint. Und alles, was als Prozess der Änderung stattfindet, ist am Montag ein: „Heute trage ich ein altes T-Shirt“, am Dienstag ein: „Die Hose sitzt nicht so, wie sie früher saß“, am Mittwoch ein: „Ich habe nichts zum Anziehen“, während der Schrank gefüllt ist – gefüllt mit der falschen Kleidung.
Um die schmerzlichen Worte einmal auszuformulieren: Ich vertrete eine sehr starke Meinung, die da lautet: Ich alleine bin für meine Zufriedenheit verantwortlich, kein zweiter.
Die Lektion, mit 18 Jahren lernend, hat sich vieles in meinem Leben verändert. Mein Umfeld, meine zwischenmenschlichen Beziehungen, meine Alltagsstruktur… meine Zufriedenheit mit mir selbst exponentiell steigend. Beginnend mit dem Gedanken: „Mir wird kein Leid angetan, ich lasse mir Leid antun“, habe ich den auf links getragenen Pullover das erste Mal richtig herum angezogen. Ja, so würde ich das Gefühl beschreiben, eine der vielen Fragen das erste Mal passend formuliert zu haben. Denn obwohl es genug Menschen auf der Welt gibt, die als schwarzes Schaf auserwählt werden können, bin doch ich alleine für das verantwortlich, was mir ermöglicht werden kann – und was ich verweigere.
Es ist zu früh für mich, ein ganzes neues Konzept an Vorgehensweise herauszuposaunen, was die Beziehung zum eigenen Leben angeht.
Nicht zu früh ist es für die Frage, warum man einen zweiten Mensch an seiner Seite braucht, ohne sich selbst ausreichend zu kennen?
Mein Großvater sagte letzten Sommer in einem Gespräch zu mir: „In unserem heutigen Zeitalter würde ich an deiner Stelle gar nicht mehr heiraten wollen.“ Ich stimme ihm nicht zu, doch er trifft den Nerv der Zeit. Es liegen ideale Bedingungen vor, sich selbst nahezu perfekt kennenlernen zu können – dann, ja dann, wenn ich weiß, wer ich im Innersten bin und diese Version nach außen hin trage, da erst bin ich bereit für einen Menschen an meiner Seite, der diese Schritte für sich selbst gegangen ist.
Der Begriff „Paretoeffizient“ beschreibt den Zustand, nach dem sich jeder von uns sehnen sollte, am besten: Es ist ein Zustand, in dem jeder Beteiligte maximal aus der Situation profitieren kann und keine der Parteien durch ein Abweichen eine Verbesserung erlangt. Soll heißen, dass zwei Menschen, die sich selbst zu verstehen gelernt haben, eine bessere Einheit bilden als zwei Menschen, die von ihrem Partner erwarten, das „eigene Kennenlernen“ für sich selbst zu übernehmen. Meine Freunde, mein fester Freund, sind keine Therapeuten, keine Interpreten, keine Allwissenden, wenn es um mein wahres Ich geht. Und ich möchte es ihnen auch nicht zur Aufgabe machen. Keinem wird es so leicht fallen, meine tatsächlichen Interessen zu erkennen, wie mir selbst. Und so ist es meine alleinige Aufgabe, eine interessante Lebensgestaltung in dem Rahmen meiner Zeitspanne auf dieser Welt zu verwirklichen.
Um mein Stadium zu benennen:
Ich gebe mich als Ei, aus dem die Henne entstehen wird. Doch gegen die Natur stellend, weiß ich bereits in meinen Gedanken, wie die Henne aussehen wird, die sich aus dem Ei pult: herausgeputzt, vollkommen und eine interessante Ausstrahlung verkörpernd. Das alleine reicht, um sie als schön zu betiteln.

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