Klar definieren,

Klar definieren,

Montag, 28. Apr ’25

Nur so ein Gefühl, dem ich nachgehen wollte, würde ich meinen.
Ich spüre Nostalgie, da dieser Gedanke nicht zum ersten Mal in mir erkeimt. Neugierde gesellt sich dazu, denn es stellt sich die Frage, ob ich nur eine unter vielen bin, die diese Überlegung angestellt hat, oder aber die einzige unter vielen, die sich an einen solchen Gedanken wagt. Angetrieben wird mein Bedürfnis der Mitteilung durch nichts weniger als eine starke Sehnsucht – zugleich schmerzlich traurig, doch überwiegend leidenschaftlich. Denn der Wunsch nach Erkenntnis, einem Verstehen und Verstandenwerden, nagt an mir.

Nichts kann ich mir davon kaufen, spreche ich mit euch über dieses Thema. Und doch brennt es unter meinen Nägeln so stark, dass wir uns nun in dieser Situation befinden, da ich die Worte längst in mir trage:

Erkenntnis bedeutet für den einen, die Brille aufzusetzen, um die ersehnte Schärfe zu erhalten, die Maserung der Baumrinde erkennen zu können:

„Er hat ja ein Muster!“
Ein Christ bestreitet den Weg zur Erleuchtung täglich Wort für Wort durch das Verstehen der Bibelverse.
Das Unwohlsein mögend entschließen sich nicht wenige der islamistischen Religion angehörende, jährlich die Pilgerfahrt nach Mekka, den Hadsch, entlangzuwandern. Dort werden den Pilgern ihre schlechten Taten von Gott verziehen.
So gibt es sicherlich ebenso viele Formen der Erkenntnis, wie es Sterne am Himmel gibt. Tausende um Tausende, Abermillionen. Mal geschieht es, dass ein Mensch ein Leben lang nach dieser einen sucht. Und gelegentlich soll es passieren, dass von einer auf eine andere umgeschwenkt wird, da der Weg nicht länger erstrebenswert scheint oder die Erkenntnis bereits erfolgte.
Ein Ziel ist nicht mehr als ein Anker, der bei Bedarf gelegt werden kann. Sollte er gesetzt werden, dann nur so lange, bis ein neues Ziel in Sicht ist. Der Kompass wird lotsen, die Segel für Fahrt sorgen und das Steuerrad in die geforderte Richtung drehen.

Es sei also gesagt, dass mein heutiges Anliegen nur ein Gedanke auf Zeit ist. Ein Unterpunkt im Ordner der Erkenntnis, der komplettiert werden möchte.



Ich dachte nach und fühlte.
Frustration stieg in mir empor. Doch sie dient als ein Ansporn. Eine Verdeutlichung meines Körpers, um zu erklären, dass ich weiterforschen sollte.
Irritation gesellt sich zu der Frustration. Wie eine schwächere Form der Wut agiert sie in mir und löst das Bedürfnis aus, etwas tun zu wollen – sofort, gewaltsam. Doch nur, um egoistisch an mein Ziel zu gelangen.
Besinnend, da Irritation nicht angebracht ist, wird sie von Neugierde abgelöst. Dort, wo zuvor Gewalt walten wollte, thront nun die Wissbegierde. Mit Interesse lässt sich leichter umgehen. Ich freue mich über den veränderten Gemütszustand und beginne, an Fahrt zu gewinnen. Selbstzufriedenheit als eine schwächere Form des Stolzes steigt in mir empor. Der neu gewonnene Zustand der Zufriedenheit bleibt stabil, bis ich auf einen auftürmenden Berg an Fragen stoße. So leicht, wie ein Windstoß ein Blatt von den Zweigen des Baumes wehen kann, verliere auch ich den Zustand des Zufriedenseins.
Die Angst gewinnt an Überhand. Eine plötzlich starke Veränderung des Gemütszustandes. So intensiv, dass sie die einst positive Wahrnehmung trübt und alles zuvor Dagewesene zu übertönen scheint. Es beginnt ein Kampf gegen den tobenden Sturm einer wilden Mischung: Sehnsucht, Unsicherheit, Eifersucht, Unbehagen, Sympathie, Scham, Stolz, Freude.
Zeit braucht es gewiss, bis sich alles wieder an seinen rechten Platz gesellt. Ich nehme mir einen Moment, um für Klarheit zu sorgen, horche in mich und finde das, was ich brauche:
Vernunft.
Ruhig, klar und gewissenhaft bestreite ich den Berg, bis ich auf der Spitze stehe und erkennen kann, was sich dort am Horizont hervorhebt.
Ganz gewiss strahlt mir dort ein Wort entgegen, das eigentlich hätte klar sein sollen, doch unter der Vielzahl an Schwankungen verlorenging.
Gefühle.
Sie sind es, die mich leiten und mir signalisieren, wie ich mich verhalten soll. Ob ein Handeln verlangt wird oder das Innehalten. Ob nachgedacht oder gemacht werden soll. Ist Übermut oder Zurückhaltung gefragt?

Nichts weiter sind Emotionen für mich:
Ein Wegweiser, eine grobe Ahnung, ein denkanstoßendes Etwas.



Ja, Gefühle sind mächtig – sie wollen gehört werden und werden nicht ohne Grund im Körper existieren. Ich habe mich hingesetzt und überlegt, wofür verschiedenste Emotionen stehen könnten, die ich tagtäglich in mir trage – in unterschiedlichsten Kombinationen. Doch diesen Gedanken werde ich nicht teilen, denn einen solchen Lernprozess bekommt man nicht vorgelebt.
Um dennoch für Gedankenanregung zu sorgen:

Überraschung steht nicht unbedingt für Unwohlsein.
Frustration ist kein Indiz für einen Fehler.
Selbstzufriedenheit muss nicht zu Überheblichkeit werden.
Unbehagen mündet nicht gleich in Angst.

Wut befürwortet keine Handgreiflichkeit.
Abneigung wird nicht durch das Umfeld ausgelöst, sondern keimt in einem selbst auf.
Stolz impliziert nicht, sich auf etwas ausruhen zu dürfen.
Überheblichkeit dient ausschließlich dem Selbstschutz.
Egoismus resultiert aus Ängsten.

Ich horchte in mich. Je tiefer dieses Horchen ging, desto mehr vergaß ich, was mir von außerhalb erklärt wurde. Denn keiner kann die eigenen Gefühle so sicher definieren wie der Mensch, zu dem sie gehören.

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