
Dienstag, 16. Sept,
Wetter zum Nachdenken,
Wetterbericht
Meine lieben Leseratten, heute habe ich für euch die Wettervorhersage für Dienstag, den 16.09.2025:
Ein Sturmtief über Skandinavien schwächt sich allmählich ab. Es führt in Schleswig-Holstein und Hamburg zunächst noch zu wechselhaftem und stürmischem Wetter. Ab Mittwochabend erreicht der Ausläufer eines neuen Tiefs bei Irland die Region.
STURM:
Verbreitet Windböen und stürmische Böen zwischen 55 und 70 km/h (Bft 7 und 8) aus Südwest bis West, vor allem an der See und in Schauernähe auch Sturmböen um 85 km/h (Bft 9).
STARKREGEN (UNWETTER):
Bis zum späten Nachmittag in einem breiten Streifen von Dithmarschen bis nach Kiel Starkregen mit Mengen zwischen 20 und 35 l/qm in 6 Stunden, stellenweise auch heftiger Starkregen (UNWETTER) mit Mengen zwischen 35 und 60 l/qm in 6 Stunden.
GEWITTER:
Bis zum Abend einzelne Gewitter mit Sturmböen um 85 km/h (Bft 9) und Starkregen zwischen 15 und 25 l/qm in kurzer Zeit. Schwere Sturmböen um 95 km/h (Bft 10) gering wahrscheinlich.
Klingt das nicht nach einem Wetter, das zum vorherbstlichen Nachdenken anregt? Herrlich, um ein wenig in Gedanken zu versinken – aber nicht wirklich gut, um das erste Mal zur Laufgruppe am Dienstag an der Außenalster zu erscheinen… ich werde sehen, ob ich mich heute Abend dafür motivieren kann.
Ein Geständnis
Heute habe ich ein Geständnis abzugeben:
Ich habe mein Social Media gelöscht.
Instagram wollte es nicht einmal wahrhaben und hat vehement versucht, mich von dieser Aktion abzubringen. Aber was bringt mir eine App, die ich die letzten Monate sowieso deinstalliert hatte?
Ich möchte diese Tat nicht unbegründet stehen lassen, weniger noch möchte ich sie unbemerkt passieren lassen. Warum ein Kettenraucher seinen Zigaretten abschwört und vor allem, wie das passiert ist, interessiert schließlich auch nicht nur ihn allein.
Das Verhör
Was war der Auslöser?
Ich habe zwei Menschen in mein Leben gelassen. Einen Mann und eine Frau. Sie beide haben eine unglaublich schöne Ausstrahlung – vor allem, da sie Ruhe und Zufriedenheit verkörpern.
Wenn ich sage „da ist ein gewisses Etwas, das mich an ihnen fasziniert“, dann ist diese Beschreibung zwar vage, aber gleichzeitig erscheint auch das Bild einer Person vor dem geistigen Auge, habe ich recht? So ist es auch bei diesen beiden Menschen für mich.
Sie wirken souverän, ohne sich aufzudrängen. Und mache ich etwas mit ihnen, dann fühlt sich die Zeit lebendiger an als mein sonstiger Tag. Ja, sie haben mich mit ihrer Persönlichkeit beeindruckt.
Und ohne weiter auszuholen, sage ich: sie beide verkörpern für mich das Bild eines Influencers, so wie ich ihn mir idealerweise vorgestellt habe – würde man sich im Alltag kennenlernen.
Die Frage der Fragen
Ist die Sympathie einmal da, folgt früher oder später die Frage, ob man sich über Social Media vernetzen möchte. Sei es Instagram, Snapchat, LinkedIn… komplett egal.
Doch als ich diese beiden Personen fragte, ob wir uns (über das Medium WhatsApp hinaus) vernetzen wollen, sagten beide: „Ich habe kein Instagram (oder Snapchat).“
Bei dem Mann, den ich ein paar Wochen früher gefragt hatte, akzeptierte ich diese Antwort. Sie festigte das positive Bild, das ich ohnehin schon von ihm hatte. Denn ich finde die Kombination aus starker Präsenz und Kreativität, ohne nach Aufmerksamkeit und Bestätigung von außen zu streben, sehr beeindruckend.
Als die Frau mir einige Wochen später ebenfalls sagte, dass sie kein Social Media habe – während wir am Abend zuvor noch gemeinsam Bilder gemacht hatten und ich mir sicher war, sie auf Instagram zu finden – crashte das Bild von Social Media vollends in meinem Kopf.
Warum hatten diese Menschen so viel Ausstrahlung, so eine Fülle in ihrem Leben – und teilten nichts davon mit der Welt, sondern nur mit ihren gewählten Menschen?
Die Zahnräder rattern
Ich löschte Instagram und andere Plattformen. Ungefähr zum siebten Mal in meinem Leben.
Wir führten bisher eine On-Off-Beziehung, denn gelegentlich brauchte ich Abstand von dem Einfluss, den soziale Plattformen auf mein Denken und Handeln hatten.
Aber in den letzten Wochen hörte ich nicht auf, darüber nachzudenken, wie stark der Kontrast zwischen dem idealen Influencer und diesen beiden Menschen war. Ich wusste, wo ich mich klar einordnen würde – direkt neben ihnen. In vielerlei Punkten meines Lebens.
Ohne es bewusst zu steuern, gewann ich neue Gedanken zum Thema Social Media – Gedanken, die schon häufiger da waren, diesmal aber mit Beweisen dafür, dass ich wirklich nicht die Person bin, die sich Videos anschaut, die Updates von Freunden über Fotos erhalten will oder jemand, der viele Menschen über meine persönliche Weiterentwicklung durch Bilder und Videos in Kenntnis setzen möchte.
Ich will weit mehr als das. Naja – mehr durch weniger.
Das, was wir alle wissen
Heute Morgen, direkt nach dem Aufwachen, schrieb ich:
So langsam möchte ich anderen Menschen nicht mehr beim Schreiben ihrer Geschichte zuschauen und stattdessen meine eigene in die Hand nehmen.
Social ist mein Social Media.
Bilder möchte ich in Fotoalben kleben.
Kunst steht in meiner Wohnung und wird von Menschen gesehen, die ich in meine Privatsphäre lasse.
Gespräche werden im Alltag geführt.
Und die einzige Präsenz, die ich biete, ist die an dem Ort, an dem ich mich aufhalte.
Ich möchte nicht mehr überlegen, was andere Menschen von mir denken, nachdem ich etwas gepostet habe. Denn im Alltag denke ich auch nicht darüber nach, was andere Menschen von mir denken, während ich meinen Kaffee trinke.
Ich habe die letzten Wochen mehr denn je gespürt, dass es viel mehr Spaß bringt, über das echte Leben nachzudenken als über das potenzielle, das ich sowieso nie kennenlernen würde.
Wie fühlt sich die Zeit ohne Social Media an?
Ohne das tägliche Konsumieren von Social Media entsteht Leere – alles fühlt sich ein wenig bedeutungsloser, nicht ganz so aufregend an. Nach einem Tag war ich gelangweilt, nach zwei Tagen wollte ich mir wieder Videos anschauen, nach einer Woche merkte ich, dass mein Leben nur so spannend schien, weil ich mir Videos angeschaut habe, die spannender waren als mein eigentliches Leben.
Dann habe ich plötzlich das Verlangen gehabt, Spannung in mein Leben zu bringen. Ich habe angefangen, etwas zu riskieren:
Nach der Läuferverletzung vor über einem Jahr sind meine Laufschuhe in der Ecke zu Staubfängern geworden. Doch ohne die interessanten Videos und die „potenziellen Gedankenanregungen“ hatte ich Lust auf ein wenig Adrenalin. Ich habe es einfach riskiert, bin laufen gegangen – und habe schmerzfreie 8 km geschafft. Diese Euphorie kann ich kaum beschreiben.
Ebenso berauschend waren die Leserzahlen auf diesem Blog für mich – denn durch die fehlende Möglichkeit, durch Videos zu prokrastinieren, hört mein Kopf nicht mehr auf, kreativen Output zu geben.
Die Meinung, mit der ich mich unbeliebt mache
Ich möchte nicht behaupten, dass ich so viel produktiver und qualitativer lebe als Personen, die Social Media besitzen. Aber ich kann für mich sagen, dass ich ein falsches Bild hatte. Und indem ich diese zwei Menschen kennengelernt habe, entstand ein Kurzschluss in meinem Kopf, der mich überlegen ließ: „Und was konsumiere ich dann wirklich, wenn ich mir täglich Reels anschaue?“
Social Media war keine Bereicherung für mein Leben. Ich dachte, es könnte mich motivieren. Ich war überzeugt, meine Kreativität dort ausleben zu können. Und ich habe geglaubt, das Leben meiner Freunde so noch intensiver mitzuerleben.
Aber nun erinnert mich meine Beziehung zu Instagram an die Beziehung von Seemännern zu Sirenen in der Mythologie:
Auf hoher See, zwischen schroffen Klippen und dichtem Nebel, sitzen die Sirenen auf Felsen und warten, bis ihre schöne Stimme gehört wird. Seemänner, die auf ihren Schiffen fahren, hören diese unwiderstehlichen Stimmen. In ihrer Trance wechseln sie den Kurs und steuern auf den Gesang zu. Sobald sie die Schönheit der singenden Frauen sehen, ist es um sie geschehen. In dem Glauben, etwas Herrliches gefunden zu haben, treiben die Seemänner immer näher an die Sirenen heran. Wenn sie nahe genug sind, reißen die Sirenen die Seemänner von ihrem Schiff in die Tiefe des Meeres.
Wie in dieser Sage beschreibe ich nun, nachdem ich neun Jahre lang auf Instagram angemeldet war, meine Beziehung zu diesem Medium. Vielleicht oute ich mein Konsumverhalten als zutiefst ungesund – doch ich weiß auch, dass der Algorithmus auf eben dieses Verhalten programmiert ist.
Menschen sollen in dem Sog der Videos und den schnellen Reizen, den Dopamin-Highs, versinken. Sie sollen abtauchen, die Zeit vergessen und dabei das Gefühl bekommen, etwas Wertvolles entdeckt zu haben.
Durch die Speicherfunktion soll ihnen das Gefühl gegeben werden, die Plattformen würden zu Motivationszwecken genutzt werden können.
Und nun sitze ich hier, schreibe meinen zweiten Blogbeitrag in zwei Tagen, werde heute zum Lauftreff erscheinen und verstehe auf einer neuen Ebene, wie viele Menschen wirklich in meinem Leben existieren – und von wie vielen Menschen ich nur Inhalte konsumiert habe, die gar nicht für meine Augen bestimmt waren.
Quelle für die Wettervorhersage:
DWD – Deutscher Wetterdienst, Dienstag, 16. Sept., 10:10 Uhr

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