Marilyn Monroe,

Teneriffa – Fañabé Beach

Marilyn Monroe,

Freitag, 14. Nov 25

Wäre ich heute eine Marilyn Monroe,
dann würde ich keinen Moment glücklich sein in diesem Leben,
ohne gleichzeitig ihren Namen zu tragen.

Eine Marilyn Monroe wurde nicht geboren als die, die bekannt wurde.
Sie machte sich zu einer Marilyn Monroe –
nur der Name blieb von Geburt bis zum Tod konstant.

Wenn wir von Marilyn Monroe sprechen,
reden wir von einer Frau in einem ganz bestimmten Lebensabschnitt,
die sich auf eine bestimmte Art und Weise verhielt.

Sie verhielt sich so,
weil ihr vorher Gedanken kamen.
Weil sie sich Ziele setzte –
aus Eindrücken, die sie sammelte.

Diese Eindrücke waren Ergebnisse von Erfahrungen,
die sie im täglichen Leben gemacht hatte.

Marilyn Monroe war nicht schon immer diese Frau,
von der man ein genaues Bild vor Augen hat, hört man ihren Namen.
Sie war in einem Lebensabschnitt eine Frau mit einer bestimmten Alltagsroutine,
mit Charaktereigenschaften, die mit „Berühmtheit“ kompatibel waren,
mit Gedanken, die zu Berühmtheit führten.

Für einen Moment war sie prädestiniert dafür,
diese berühmte Person zu sein, zu der sie wurde.

Alles an ihr machte sie zu Marilyn Monroe –
insbesondere die Zeit, bevor sie Marilyn Monroe wurde,
und die Zeit, nachdem sie Marilyn Monroe war.


Ich strebe nicht danach, Marilyn Monroe zu werden.
Verstehst du, was ich meine?

Von Geburt an lebe ich ein anderes Leben.
Ich werde in diesem ganz bestimmten Lebensabschnitt,
in dem Marilyn Monroe zu Marilyn Monroe wurde,
nicht sein wie sie.

Ich werde mich anders verhalten,
denn mir kommen andere Gedanken in eben diesem Moment:
meinem 23. Lebensjahr, 7. Lebensmonat, 4. Lebenswoche, 3. Lebenstag.

Was ich heute getan habe, weiß ich genau –
was Marilyn Monroe in ihrem 23. Lebensjahr, 7. Lebensmonat, 4. Lebenswoche
und 3. Lebenstag getan hat, kann ich nicht sagen.

Die Eindrücke, die ich gerade sammle,
sind andere Eindrücke als die,
die Marilyn Monroe sammelte, bevor sie Marilyn Monroe wurde.

Ich besitze diese Alltagsroutine,
die ich für am meisten kompatibel mit meinem Leben halte.
Und ich besitze Charaktereigenschaften,
von denen ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen kann,
wo sie mich hinführen werden.


Doch ich kann wahrhaftig von mir sagen,
dass keines meiner Lebensziele jemals war,
einen anderen Menschen zu kopieren.

Nicht seine oder ihre Gewohnheiten.
Nicht das Aussehen.
Nicht den Weg.

Schaue ich nach links oder rechts,
sehe ich Menschen, die Potential besitzen –
getrübt von Zweifeln, Unsicherheiten
und dem Kleinhalten durch unsichtbare Grenzen der Gesellschaft.

Ich darf mir sagen lassen,
mein Studium sei nicht das richtige für mich,
da es mir nicht leicht fallen würde.
Oder meine Körperstatur wäre nicht ideal dafür, eine Läuferin zu sein.

Worte, die den Sprecher Kraft kosten –
und in mir Bestätigung aufflammen lassen.
Denn auch das erneute Hinterfragen meiner Taten
lässt mich bei der Entscheidung bleiben:

Ich weiß genau, wer ich bin.

Dass ein anderer Mensch nicht weiß, wer ich bin,
ist akzeptabel.


Nachwort

Ich gebe zu:
Dieser Beitrag ist gedanklich und sprachlich deutlich herausfordernder.
(Ich laufe Gefahr, dass er nicht gut ankommt –
vielleicht sogar als verwirrter Text abgestempelt wird.)

Was tatsächlich dahintersteckt, ist eine Kritik an einer Gesellschaft,
die sich gegenseitig klein hält, vergleicht, kopiert,
und wie in einem Hamsterrad analysiert,
wie ein anderer Mensch etwas geschafft hat,
was nur durch Individualität entstehen konnte.

Ja, diese Kritik tut weh.
Sie trifft jede und jeden auf persönlicher Ebene –
während sie im Kern nur sagen will:

Du bist besonders.

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