Wort des Jahres,

Rathaus Hamburg

Wort des Jahres,
26. Jan. 2026,

2026 WIRD DAS JAHR, IN DEM ICH FÜHLE

„Alles hat seine Zeit“ – klingt wie eine Phrase, die sich nach nichts als einem melancholischen Echo anfühlt.
Hinter Worten verstecken sich Gefühle, die auf der Welle der enttäuschten Emotionen an den Strand des Vergessens gespült werden.
„Was letztes Jahr nicht gut lief, werde ich dieses Jahr hinter mir lassen.“
Eine negative Konnotation, eine Aneinanderreihung von Worten, die wenig Hoffnung in sich tragen.

Doch „wofür es an der Zeit ist“, wird nicht von Erfahrungen bestimmt. Es ist meine Einstellung zu allem, was ich in meinem Leben haben möchte. Etwas, was ich nicht sage. Es sind Worte, die auf Gefühlen beruhen und eine Kohärenz zwischen Bedeutung, Gefühl und Überzeugung herstellen.

Meine Schwester fragte mich am 1. Januar: „Was wird dein Wort des Jahres?“ Damit ist ein einziges Wort gemeint, nach dem man sein Leben in diesem Jahr 2026 ausrichten möchte.
Aha, dachte ich, und sagte sofort: „Ich hatte noch nie ein Wort des Jahres.“ Das ist die Wahrheit. Damit sagte ich indirekt: „Auch dieses Jahr wird es keins geben.“

Und dann vergingen ein, zwei Tage. Ich fühlte, dass es mich fuchste, dass sie ein Wort hatte. Nicht, weil ich mich verglich. Sondern weil die Idee etwas war, das mich zu interessieren begann.
Ein Wort als Jahresmotto? Das vergisst man nicht. Es ist simpel, es motiviert, es lässt dich anders entscheiden. Und obwohl ich nicht wollte, war ich längst am Überlegen. Mein Kopf suchte bereits nach einem Wort. Eigentlich ganz eindeutig, welches es werden würde, muss ich gestehen. Denn das letzte halbe Jahr hatte mir längst eines geschickt.

Fühlen.

Fühlen im Sinne von „das Leben fühlen“. Keine Liebe, keine Schmetterlinge im Bauch.
Mehr:
Den Adrenalinrausch kurz vor einer Präsentation. Denn Präsentationen machten mir bis jetzt mehr Angst, als dass ich mich auf sie freute. Jetzt, wo ich mehr darauf achte, wie sich etwas anfühlt, verstehe ich, dass aus Angst schnell Lähmung entsteht. Lähmung ist nicht das Gefühl, das ich während eines Vortrags spüren möchte.

Und Vorfreude auf den nächsten Lauftreff. Denn jedes einzelne Mal fühlte es sich an, als würde ich meine Technik verbessern und an Schnelligkeit dazugewinnen. Gleichzeitig war ich ziemlich angespannt. Denn im Vergleich zu den anderen Läufern war ich relativ langsam. Plötzlich entstand etwas in mir, das eigentlich nicht zu meiner Persönlichkeit passte: Ehrgeiz und ein großes Ego.

Fühlen, wie es ist, neue Techniken im Billardspiel beigebracht zu bekommen und endlich Spannung im Spiel entstehen zu lassen, weil ein Freund mir zeigen konnte, wie ich ein besseres Verständnis entwickelte.

Und Überraschung, Faszination, Vorfreude, weil aus einem abendlichen Ausflug plötzlich eine kleine Sightseeing-Tour durch Schwerin entstand.

Eigentlich hatte ich schon längst begonnen, einen aufmerksameren Fokus auf mein tatsächliches Leben zu legen. Und doch ist in Vergessenheit geraten, währenddessen zu fühlen. Etwas, worin ich meine Stärke gesehen habe – doch unbewusst driftete ich davon ab und landete im handlungsorientierten Denken: von einem To-do ins nächste.
Wenn ich gerade wenig in diesem Blog veröffentliche, dann liegt es daran, dass „alles seine Zeit hat“. Gerade ist mir wichtig, all diese neuen Eindrücke wahrzunehmen.

Das Leben fühlt sich seit ein paar Wochen erfüllend und real an. Das sage ich insbesondere deshalb, weil ich mich für ein Wort des Jahres entschieden habe. Eines, das eine Vernachlässigung eines Zustands beschreibt. Jetzt, wo ich den Gefühlen wieder Beachtung schenke, bewegen sie sehr vieles in mir und in meinem Leben.

Ein Wort des Jahres klingt irgendwie absurd. Denn ein Jahr braucht kein Wort, um gut zu werden. Aber manchmal sind die einfachsten Konzepte Ideen, die es wert sind, aufgegriffen zu werden.
Heute, am 26. Januar, sage ich jedenfalls: Die letzten 25 Tage waren so viel interessanter, dass es mir wichtiger war, diese neue Perspektive einzunehmen und Erfahrungen zu sammeln, als mich am Wochenende hinzusetzen und diese Erfahrungen in einem Blogbeitrag festzuhalten.

Vielleicht bist du ja die Person, die deine Freunde fragt, mit welchem Wort sie dieses Jahr angehen möchten. Im Januar ist es noch nicht zu spät, eine Perspektive für die nächsten elf Monate einzunehmen. Es ist nur ein Wort, aber meines beeinflusst mein Leben dafür ziemlich intensiv. Denn plötzlich sind nicht nur Liebe und Leidenschaft etwas, das mir wichtig ist. Sondern insbesondere die unzähligen Gefühle, die ich über den ganzen Tag verteilt wahrnehme.
Es ist, als würde der Alltag mehr Sinn ergeben und als würde ich nicht länger den Tag absitzen, bis endlich das passiert, worauf ich den ganzen Tag hinfieberte. Alles ist auf seine Art intensiv.

Gefragt wurde ich von der Person, die sich für „Leidenschaft“ entschied, und motiviert habe ich die Person, die „Stolz“ wählte. Wenn das keine guten Mantras für das Jahr 2026 sind, dann weiß ich auch nicht.
Jahresvorsätze sind unwichtig. Aber ein Wort – ja, ein Wort – lege ich dir ans Herz!
Das Jahr hat erst begonnen – welchen Fokus möchtest du setzen?
Spontanität, Offenheit, Selbstorganisation, Respekt, Vertrauen, Neugierde, Wissen?
So viele Worte, die eine immense Kraft haben, wenn man nach ihnen zu leben beginnt.

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