Was ich ohne Grund in meinem Leben haben will,
25. März 2026,

Die Angst davor, in dem, was ich tue, nicht gut zu sein, ist etwas so Suspektes für mich, dass es mir einerseits tatsächlich Angst macht und gleichzeitig bringt es mich zum Lächeln.
Vielleicht sollte ich mir Sorgen darüber machen, dass es mich amüsiert, Angst bei dem Gedanken an das Tun von etwas zu bekommen. Vielleicht freut mich aber auch gerade dieser Zwiespalt.
Denn es ist in Ordnung, negative Gefühle bei dem Gedanken an das Tun von etwas zu haben – und es dennoch zu tun.
Das letzte Mal, dass ich einen Stift in die Hand nahm, um zu skizzieren, ist ewig her.
HB-Bleistift, stabiles Radiergummi und ein Blatt Papier.
Ich wusste nicht einmal, was ich malen will. Ich wusste nur, dass Malen mich entspannt.
Schätzungsweise fünf Jahre hatte ich nicht ernsthaft probiert, etwas zu skizzieren – alleine des Malens wegen, also aus Freude an der Tätigkeit. Dieses Mal jedoch wollte ich kein halbherziges „wenn es was wird, freue ich mich“ erleben.
Denn diese Worte nutzte ich nur, um mich abzusichern, nicht zu frustriert zu sein bei dem Gedanken daran, was potenziell entstehen könnte, und der Realität, die schlechtere Ergebnisse liefert.
So viel sei gesagt: Die Welle der Frustration erreichte mich in der ersten Sitzung eher früher als verspätet. Der Bleistift wurde schnell beiseitegelegt.
Aber darum ging es in diesem Moment nicht. Nicht direkt.
In Zyklen gedacht
Während die Sonne untergeht und also ein weiterer Tageszyklus vorüberstreicht, entstand in mir ein Bedürfnis, darüber zu reden, weshalb ich eines Tages einen Lebenszyklus zu Ende gehen ließ, der von Kreativität geprägt war, und stattdessen einen gesellschaftlich erwünschten Arbeitszyklus begann.
Der Konflikt zwischen dem, was ich mir in meinem Leben wünsche, und dem, was ich brauche, um in der Gesellschaft zu existieren, beschäftigt letztlich bei weitem nicht nur mich.
Aber nur diesen kann ich greifen. Vielleicht ziehst du, lieber Leser, eine Parallele zu deinem inneren Zwiespalt? Denn wer beschäftigt sich nicht gelegentlich mit dem, was aufgegeben werden musste, um das zu erreichen, was ein „erfülltes“, sicheres oder teures Leben garantiert.
Neuorientierung
Heute frage ich mich allerdings, wie viel ich wirklich hätte aufgeben müssen.
Denn jetzt, wo ich meine nächste (erfolgreichere) Skizzensitzung beendet habe, da scheint es mir ganz und gar möglich, meine Ziele mit meinen unbezahlten Hobbys zu vereinbaren.
Es sind Momente, in denen ich nicht mit meinem vertrauten Kreis telefoniere, nicht durch die Großstadt spaziere, um auf dem nächsten Event zu erscheinen, und Momente, in denen ich kurz all die hochgesteckten Ziele vergesse, die ich mir für meine 20er setze.
Und mehr noch – es fühlt sich nach purem Luxus an.
Denn von meinen Skizzen werde ich mir nichts kaufen, sie sorgen nicht dafür, dass ich ein längeres Leben führe oder verschaffen mir Aufmerksamkeit. Nur für mein Ich sind sie erstrebenswert.
Eine Stimme in mir sagt aus vollster Überzeugung:
„Jetzt gerade willst du zeichnen.“
Abwägungen machen
Als ich beschloss, mit dem Zeichnen aufzuhören, gab ich das Hobby auf, das scheinbar nichts mit meinem zukünftigen Ich zu tun hatte.
Es fiel erstaunlich leicht, etwas fallen zu lassen, das auf einer Pro-Contra-Liste objektiv betrachtet schlecht aussieht.
Betrachtung der Gesamtwirkung
Aber das, was Malen mit mir macht, hat deutlich mehr mit meiner tatsächlichen Zufriedenheit zu tun als beispielsweise mein Interesse an der Wirtschaft im Studium – obwohl das Lernen auch zu meiner Zufriedenheit beiträgt.
Doch wenn ich transparent sein soll, gestehe ich, dass erst die Selbstzufriedenheit, die durch künstlerische Tätigkeiten zu persönlichen Erfolgserlebnissen führt, die nur ich sehe, die Lust an der Wirtschaft in mir aufflammen lässt.
Klingt das komisch? Vielleicht.
Plausibler wirkt es, wenn ich diese These umformuliere:
Die kleinen Erfolgserlebnisse in Tätigkeiten, die ich gut kann, bereiten mir Lebensfreude. Sie sorgen dafür, dass ich mehr Energie für das habe, was auch Lebensfreude bereitet, allerdings härter erarbeitet werden muss und deshalb Kraft kostet.
Noch nie habe ich indirekte Faktoren, die nicht einmal im Ansatz etwas mit meinen Zielen zu tun haben, ins Scheinwerferlicht gerückt.
Und obwohl Kreativität und Wirtschaft in meinem Fall nicht vereinbar sind, bin ich ein großer gemeinsamer Nenner, über den beide Interessensfelder verbunden werden.
Freude an der Tätigkeit als Grund des Tuns
Heute wollte ich betonen, dass es nicht viele Gründe dafür geben muss, einem ausbremsenden Hobby, einer scheinbar nicht kombinierbaren Tätigkeit nachzugehen.
Das Malen lässt mich gut fühlen. Mehr braucht es nicht, damit ich ein paar Minuten meines Tages investiere.
Denn wenn das Leben nicht mindestens einige Minuten für die Freude an etwas Unrelevantem lässt – wofür macht man dann das, was von einem gewollt wird?
Mit:
„Die Angst davor, in dem, was ich tue, nicht gut zu sein, ist etwas so Suspektes für mich, dass es mir einerseits tatsächlich Angst macht und gleichzeitig bringt es mich zum Lächeln“
ist also gemeint, dass die Kombination aus Angst vor unnötigen Zeitfressern und Freude auf das, was sie mit mir machen, ein eindeutiges Indiz dafür ist, dass ich eine Tätigkeit zu 100%iger Sicherheit in meinem Leben haben möchte.
Damit steht nun die Frage im Raum, woran du denken musst, wenn ich über das Aufgeben von etwas spreche, was eigentlich Lebensqualität schenkt.

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