Heute möchte ich über Toleranz sprechen,

Heute möchte ich über Toleranz sprechen,

Montag, 13. Apr, 2026,

Kalliope – Muse der epischen Dichtkunst, Ruhe und Feierlichkeit

Keine Positionierung, sondern eine pure Kosten-Nutzen-Analyse der aktuellen Lage.

Das Kaldor-Hicks-Kriterium ist etwas, auf das ich in verschiedenen Bereichen stoße. Es kommt in der Kombination aus Wirtschaft und Recht vor, also letztlich in der juristischen Bewertung von wirtschaftlichen Entscheidungen. Auch in der Umweltökonomie wird auf das Kaldor-Hicks-Kriterium zurückgegriffen. Hierbei geht es um die Bewertung wirtschaftlicher Entscheidungen mit Fokus auf Nachhaltigkeit und der Vermeidung von Schadstoffausstößen. Und zuletzt auch in der Sozialpolitik. Der Name posaunt schon heraus, dass das allgemeine gesellschaftliche Wohlergehen im Vordergrund steht – insbesondere das Ermöglichen des Ausgleichens sozialer Ungleichheiten, mit Fokus auf die finanziell und gesundheitlich schlechter gestellten Positionen.


Eine Kosten-Nutzen-Analyse betrachtet alle Positionen, die in der Debatte vertreten sind. Hierbei werden Fakten auf den Tisch gelegt. Die Vorspeise besteht aus leichter zu gewichtenden Argumenten, der Hauptgang wird groß und breit aufgetischt und zuletzt werden die süß-sauren Wahrheiten serviert. Nichts fällt unter den Tisch.

In der Theorie existieren stets eine Gewinnerseite, die von einem Entscheid profitiert, und eine Verliererseite, die kompensiert werden muss, wird der zugrunde liegende Entscheid durchgesetzt.


Um ein plumpes Beispiel anzubringen: die Pausenhofschaukel.

„Eine Schule überlegt, die Schaukel auf dem Spielplatz abzubauen und stattdessen einen Snackautomaten aufzustellen.“

Gewinner: 100 Kinder freuen sich über den Snackautomaten
Verlierer: 10 Kinder hängen an der Schaukel (Wortwitz)

Die Gesamtrechnung ergibt:

Gewinn: +100 Spaßpunkte
Verlust: -10 Spaßpunkte


Das Kaldor-Hicks-Theorem schreibt nun vor, dass eine Entscheidung wirtschaftlich durchgeführt werden kann, wenn die gewinnende Seite einen so großen Gewinn erzielt, dass sie die verlierende Seite kompensieren kann. Man spricht von der „Willingness to Pay“, die größer sein muss als der Kompensationsbedarf.


Wir haben hier einen fundamentalen Part des Rohbaus unserer politischen Vorgehensweise des Staates vorliegen. Denn Steuern dienen in vielen Fällen der Umverteilung. Politische Entscheidungen werden mithilfe von Kosten-Nutzen-Analysen abgewogen. Der Umweltschutz wird durch Kompensationen ermöglicht.

Viele Veränderungen in unserer Gesellschaft, die sich herbeigesehnt werden (Klimaschutz, Umverteilung von Geldern, bessere Bildungssysteme…) – alles, was unseren Alltag immens beeinflusst, wird durch Kosten-Nutzen-Analysen bewertet.

Nicht nur das: Jeder von uns führt Kosten-Nutzen-Analysen bei Entscheidungen, bei Käufen, bei Work-Life-Balance-Überlegungen, bei Bauch-vs.-Kopf-Entscheidungen durch. Sämtliche Faktoren werden berücksichtigt, um nahezu eine neutrale Sicht auf das zu erhalten, was gegeben ist.


Mir gefällt dieses Vorgehen. Unabhängig davon, ob hieraus Entscheidungen folgen, die ich befürworte oder nicht. Denn dieses Vorgehen erfordert Toleranz und Akzeptanz eines jeden Punktes, der das Thema betrifft.

Was auf dem Tisch steht, wird gewürdigt, wird zur Kenntnis genommen. Ob es schmeckt oder nicht, ist eine persönliche Vorliebe, der in diesem Moment weniger Bedeutung beigemessen werden soll.

Sicherlich ist es viel verlangt, die eigene Meinung als untergeordnet anzusehen, um einen nüchternen Gesamtüberblick zu erhalten. Doch was ist die eigene Meinung wert?


Bleiben wir bei dem Tisch-Beispiel und gehen davon aus, dass keine Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt wird, sondern mein eigen gewähltes Essen auf dem Tisch steht.

Ich mag Käse, der wird dort in Massen vorhanden sein. Ich esse gerne Gemüse, aber scharf gewürzt darf es nicht sein. Ich esse gelegentlich Fisch oder Fleisch, wenn ich die Herkunft des Fisches oder Fleisches als akzeptabel erachte. Es wird in diesem Beispiel auch auf dem Tisch stehen. Ein Blattsalat wird existieren, ein wenig Obst und vielleicht eine Süßspeise – Tiramisu.

Das war’s.

Keine Kosten-Nutzen-Analyse, nur individuelle Bedürfnisse, die gestillt werden.

Wenn ich dich an diesem Tisch sitzen lasse, würdest du dann satt werden?
Wenn ich dir diese Optionen lassen würde, würden sie dich glücklich machen?
Würdest du wieder zu mir zum Essen erscheinen, nachdem du das Essen gegessen hast, was alleine meinen individuellen Bedürfnissen entspricht?


Natürlich möchte ich über Toleranz sprechen. Denn während die Individualität und das „Besonders sein“ in der Gesellschaft immer mehr in den Vordergrund rückt, geht ein gewisses Maß an Bewusstsein verloren:

Menschen werden unterschiedlich geprägt, haben unterschiedliche Bedürfnisse und treffen Entscheidungen, die ihrem Erachten nach die richtigen sind.


Nun frage ich mich, warum sich von allen Seiten dagegen gesträubt wird, vegan zu kochen für die vegan Essenden. Und warum sich dagegen gesträubt wird, Fleisch zu kochen für die Fleisch Essenden (ah, das ist der empfindlichere von beiden Punkten, richtig?).

Warum wird sich dafür ausgesprochen, die Grünen wählen zu dürfen, aber ein FDP-Wähler würde sich nicht trauen, seine Stimmenabgabe zu äußern? (FDP-Wähler sind die schlechteren Menschen, richtig?)

Es gibt keinen Grund dafür, die Entscheidung einer Person in Frage zu stellen, ohne ein wertungsfreies Gespräch darüber zu führen. Ein Austausch.

Menschen führen Kosten-Nutzen-Analysen durch. Und dennoch fallen mir urteilende Blicke auf, noch bevor man ins Gespräch kam.

Politische Gespräche sind niemals entspannt und in häufigen Intervallen höre ich Worte wie:

„Über dieses politische Thema konnte ich ausnahmsweise mit dieser Person reden, obwohl wir anderer Meinung waren.“

Anderer Meinung? Natürlich. Wie sollte es auch nicht so sein?


Männer sprechen mit Männern und geraten aneinander, weil eine Partei heterosexuell und die andere Partei homosexuell oder divers ist. Frauen haben kein Verständnis füreinander, wenn eine Partei gerne Hausfrau wäre und die andere Seite sich für Feminismus ausspricht. Business-Outfit-Träger denken schlecht über Jogginghosen-Träger im Alltag – und andersherum.


Du und ich, wir teilen keine gemeinsame DNA. Nein, wir sind nicht im selben Haus aufgewachsen, wir sind nicht auf eine gemeinsame Schule gegangen und ich weiß nicht, welche Blutgruppe du besitzt.

Du hast mir deinen Großvater nicht vorgestellt. Dein erstes Haustier konnte ich niemals kennenlernen und auch die Stimme deiner Mutter ist mir nicht bekannt.

Ich kenne deine Lebensziele nicht und weiß nicht einmal, wann in deiner Kindheit du einen so prägenden Moment hattest, dass du wusstest: „Diesen Beruf möchte ich irgendwann ausüben.“

Wie sollten wir einer Meinung sein, wenn wir zwei haben?


Heute wollte ich auf Toleranz aufmerksam machen. Denn wir Menschen wünschen uns, dass unsere Bedürfnisse als solche angesehen werden – ohne Abwertung und fehlenden Respekt für das, wofür wir stehen.

Ja, ich spreche von einem „Wir“. Doch die Gesellschaft ist keine homogene Masse, wie es vielleicht durch lautere Stimmen versucht wird zu erreichen.

So frage ich mich Tag ein, Tag aus, weshalb du willst, dass ich werde wie du bist, wo ich doch ich bin und du du bist.

Wir unterscheiden uns. Von Geburt an bis zum Tag, an dem wir sterben.

Eine Beurteilung von einer Situation ist möglich, nachdem eine Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt wird. Und hier sitzt die falsche Schriftstellerin, falls nun erwartet wird, dass nach einer Kosten-Nutzen-Analyse von mir ein Urteil gefällt wird.

Eine Einheit profitiert von Vielfalt.

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