
Zeit ist kostbar
Donnerstag, 29. Aug.
Es mag ein irreführender Titel sein, da es heute nicht in erster Linie um die Kostbarkeit der Zeit gehen soll, wie es doch so häufig klischeehaft von Autoren als Verbildlichung der davonrennenden Zeit im Leben verwendet wird. Nein, heute erzähle ich euch, meinen lieben Lesern, etwas über die Kostbarkeit, die ich vor einigen Stunden bis zu diesem Zeitpunkt ergründen und genießen durfte – mit ihrem Ursprung in dem Café ZEIT.
Freundschaften sind genau aus diesem Grund bedeutsam, da sich beide kommunizierenden Personen Respekt und Toleranz entgegenbringen. Darüber hinaus bestätigt sich in jedem Aufeinandertreffen erneut, was ich an meinen Freunden habe – und unausgesprochen die Erwiderung des Freundes. Heute traf ich einen Freund im Café ZEIT – ein wohlgemerkt für mich unbekanntes Café, das ich noch nie zuvor besucht hatte und nun gelegentlich aufsuchen möchte.
Ohne zu hohe Erwartungen an das Treffen zu hegen, hatte ich mich offengestanden zuvor schon sehr gefreut. Wie vielleicht zu erwarten, schätze ich einen humorvollen, wortgewandten Umgang mit der deutschen Sprache, den mein guter Freund auf eine sehr spielerische Art anwenden und auf Gesprächsthemen adaptieren kann. Der Sprachfluss, den wir heute über mehrere Stunden am Laufen gehalten haben, könnte bildlich gesprochen ganze Seen füllen. Ursprünglich hatte ich diesen Freund insbesondere – neben dem Interesse an seinem Leben – aufgrund eines Blogbeitrags gefragt, ob er Interesse hätte, seine wortgewandten Redewendungen für ein paar Vergleiche erübrigen zu können. Ich rechne es ihm hoch an, dass er stattdessen, ohne dieses Vorhaben zu besitzen, geschafft hat, meine Pläne im Nichts versinken zu lassen und aus einem kritischen, menschenbildhinterfragenden Artikel, den ich bereits verfasst hatte, eine andere Variante formen konnte. Denn aus irgendeinem Grund hatte er das unbändige Bedürfnis, ein umfangreiches Gespräch über charismatische Menschen, Ausstrahlung und den immensen Wert seiner Freunde in die Wege zu leiten, ohne dem Zug eine Bremse einzubauen.
Du hast gesagt: „Ich höre Menschen unglaublich gerne zu, während sie über ihre Leidenschaften erzählen“, und meine Antwort darauf war: „Wie sollen sie zu Wort kommen, wenn du einen prozentual so hohen Redeanteil besitzt?“.
Ich habe lange keine Person so gut, so einprägsam, so leidenschaftlich über ihre Mitmenschen reden hören. Weder über einfache Kommilitonen noch über die eigenen Freunde, noch über mich selbst.
Um ehrlich zu sein, sollte sich mein Blogbeitrag darum drehen, wie interessant Fremde, Bekannte und Freunde um einen selbst sein können. Mit einer einzigen Beschreibung hat sich meine Meinung geändert. Er sagte: „Charismatisch zu sein bedeutet für mich, ein bisschen heller zu sein als der Hintergrund“ und erläuterte auf den folgenden Metern bis zum nächsten Eisladen, weshalb so viele Menschen in seinem Umfeld auf diese Art betrachtet werden können.
Warum ich die heutige Unterhaltung romantisiere? Ich wurde von einem Freund auf eine Art beeindruckt, die vielleicht ansatzweise erwartbar war. Und doch war das Ergebnis so viel interessanter, als der Beginn des Treffens im ZEIT zu versprechen schien. Ehrlich gesagt habe ich kein Bedürfnis, über die Gutmütigkeit und Offenheit meiner Mitmenschen zu sprechen, wenn mir vor Augen geführt wird, dass eine solche Betrachtungsweise für meine Freunde als natürlichste Betrachtungsweise der Mitmenschen angesehen wird.
Die Kostbarkeit, um die es gehen soll, sind in der Tat die Menschen um einen selbst herum, die sehr gut, besser noch als in meinen Augen erwartbar, von anderen Personen zu denken scheinen.
Heute gibt es keine Frage und stattdessen ein Dankeschön an dich für deine schönen, geteilten Gedanken und ein ausgesprochen authentisches Gespräch, Jonas.

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