Akzeptanz,

Akzeptanz,

Freitag, 10. Okt,

Vielleicht ist meine Stimme in dieser Angelegenheit laut, weil jene mein Herz berührt. Es ist die höchste Form von Respekt, die man einem anderen Menschen entgegenbringen kann.

Eine Freundschaft, in der sie existiert, beruht auf Freiheiten.
Eine Firma, die sie praktiziert, wird wachsen.
Eine Gesellschaft, die auf Grundlage dieser Form von Respekt aufgebaut ist, wird Denker, Dichter, Forscher und Entwickler großziehen.

Ich spreche von Akzeptanz.


Zwischen Beerdigungen und Geburtstagen

Heute sind mir Gedanken gekommen.

Wenn zu mir gesagt wird, ich solle überlegen, welcher meiner Freunde zu meiner Beerdigung erscheinen würde – und ich beginne, diese Menschen aufzuzählen – dann setze ich voraus, dass keiner meiner Freunde Beerdigungen scheut.

Ist das dennoch der Fall und in mir würde Wut aufsteigen, vertrete ich die narzisstische Überzeugung, mein eigenes Wohl stünde über dem des Freundes.

Wenn ich wütend werde, weil ein Freund meinen Geburtstag vergisst, dann setze ich voraus, dass Geburtstage für ihn ebenso wichtig sind wie für mich.
Wut auf diese Person ist in Wahrheit umgewandelte Trauer und Verlustangst.

Ich übertrage meine Unsicherheiten und versuche, mich in Erinnerung zu brennen, indem ich eine Drohung ausspreche, die bleibt:
„Du hast meinen Geburtstag vergessen.“

Ich spreche es heute an. Denn der Abschied von einem Menschen, der einen außergewöhnlichen Charakter hatte, konfrontiert mich einmal mehr mit der Komplexität unseres Seins.


Wozu Geburtstage und Beerdigungen?

Zwei Extreme, die zeigen, was uns wichtig ist:
Liebe wird geschenkt, Zuneigung gezeigt – wir lernen, unseren eigenen Wert daran zu messen, wie viel Aufmerksamkeit wir bekommen.

„Bin ich wichtig, wird mir gratuliert.
Bin ich wichtig, erscheinst du zu meiner Beerdigung.
Bin ich noch wichtiger, bekomme ich Geschenke.
Bin ich der wichtigste Mensch, wird auf der Beerdigung geschluchzt und geweint.“

Nicht ganz, sage ich.

Vergiss meinen Geburtstag und komm nicht zu meiner Beerdigung – das wünsche ich mir sogar, wenn es dir nicht gut tut.

Ich boykottiere das Denken, ein Mensch müsse mir zu einem festgelegten Zeitpunkt zeigen, wie sehr er mich mag.
Ich boykottiere das Denken, ein Mensch müsse überhaupt irgendwie sein, um von mir gemocht zu werden.

Bei genauerem Nachdenken ist es dürftig, ja fast lächerlich, wie oberflächlich ich in diesem Beitrag versuche über die Tiefe zu sprechen, die sich hinter dem Wort „Akzeptanz“ verbirgt.

Ich lebe das moralische Konzept der Akzeptanz meiner Mitmenschen so sehr, dass es keinen Anfang für diese Erklärung gibt, von dem aus ich euch abholen könnte.
Doch denke ich an Akzeptanz, dann denke ich an …


Akzeptanz

Ich frage mich, ob ein Mensch, der Texturen liebt und Steinsäulen, Metallpfähle oder Hausfassaden berührt, wohl ein guter Architekt wäre – anstatt zu denken, es sei „komisch“, dass dieser Mensch alles anfasst.

Denn ich fasse auch gerne Kleidungsstücke an, aber keine Bauten.
Doch ich bemerke es.
Akzeptanz.

Ein Mensch mit Sporttasche, der mir in der Bahn gegenübersitzt, hat eine durchtrainierte Statur. Ich denke nicht, dass er „sein Leben mit Sport verschwendet“, nur weil ich diese Woche keine Zeit für Bewegung hatte.
Akzeptanz.

Akzeptanz ist, einen Menschen zu sehen, ohne sich selbst als Maßstab zu nehmen.

Wir alle werden mit gesellschaftlichen Idealen konfrontiert. Ich staune darüber, wie viel Akzeptanz Menschen erfahren, die diesen Idealen entsprechen.

Darüber hinaus gibt es das eigene Ideal – das, was ich für richtig halte. Auch Menschen, die meinem eigenen Ideal entsprechen, akzeptiere ich.

Wir können also abhaken:

Gesellschaftliches Ideal = wird akzeptiert

Eigenes Ideal = wird akzeptiert

Menschen, die anders sind als ich?

Oh. Oh nein. Nein, nein.


Wenn Akzeptanz fehlt

Hier wird es heiß. Wir sind ganz nah an einem Thema, das keinen Namen verdient und doch viele trägt:
Ausgrenzung. Neid. Mobbing. Respektlosigkeit. Degradierung.

So viele Formen, so viele Farben – alle geschmacklos und hässlich.
All das hat nichts mit Akzeptanz zu tun.


Was Akzeptanz wirklich ist

Akzeptanz geht nicht mit Mögen oder Gemochtwerden einher.
Sie trägt nicht direkt zu Erfolg bei.
Sie macht einen Menschen nicht naiver oder angreifbarer.

Aber sie ist lebendig.
Ein gelebtes Ideal, das Fülle und Vielfalt ins Leben zieht.

Akzeptanz lässt Farben strahlender wirken und erschafft Perspektiven.


Ich will, dass du mir erzählst, wer du bist

Mir ist egal, ob du mir zum Geburtstag gratulierst oder zu meiner Beerdigung erscheinst.
Ich will, dass du mir erzählst, wer du bist.

Zeig mir deine Eigenarten, deine Eigenwilligkeiten, dein So-Sein.
Ich akzeptiere dich – so oder so.

Vielleicht entsteht daraus keine Freundschaft, weil unsere Grundwerte nicht kompatibel sind.
Aber Akzeptanz bedeutet, nicht schlecht über die Andersartigkeit eines Menschen zu sprechen oder sie abzuwerten.

Welche Ängste bleiben dann noch zwischen uns bestehen?

Wir haben gerade so viele Fliegen mit einer Klatsche geschlagen – ich zähle sie nicht einmal.
Das tapfere Schneiderlein war schon stolz auf seine sieben.


Zum Schluss

Mein Vater sagte heute:

„Du warst schon immer so, wie du jetzt bist. Ich dachte mal, man könnte Kinder prägen. Aber wirklich viel verändern wird man nicht, stellte ich fest. Du gehst schon deinen Weg.“

Akzeptanz.

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