Emotionale Intelligenz (empirisch),

Planten un Bloom, Dienstag 14. Okt 2025

Emotionale Intelligenz (empirisch),

Samstag, 18. Okt,

Der Herbst ist da

So wie jedes Jahr fallen die Blätter zu Boden.
Es riecht gut, behaupte ich – nach Moos, ein wenig würzig und irgendwie frisch.
Letzteres nicht bloß, weil es außerdem kälter wird.

Heute hätte ich mir gewünscht, eine dickere Jacke als meine Herbstjacke zu tragen.
Es ist kalt – echt kalt.

So wie das Laub zu Boden fällt, fällt auch die Motivation, neue Menschen kennenzulernen und die Nächte zu durchtanzen.
Wie jedes Jahr beginnt die Zeit der Reflexion.

Für den einen oder anderen mag die Konfrontation mit den eigenen Gedanken beängstigend und unliebsam sein.
Meine Augen beginnen zu strahlen.
Die gelb-orangenen Blätter leuchten alle samt für sich – schön wie der Sonnenuntergang.
Und in mir flammt die Vorfreude auf, die letzten Wochen ein erstes Mal richtig vor dem geistigen Auge als Film abzuspielen.


Emotionale Intelligenz

Ich möchte einen Bogen zu einem Begriff schlagen, den wir alle kennen –
und über den doch selten wirklich gesprochen wird.
Gerade jetzt, in dieser herbstlichen Zeit der Reflexion, wird er wichtiger denn je:
Emotionale Intelligenz.

Aus gesellschaftlicher Sicht scheint das Bild klar:
Emotional intelligente Menschen kommunizieren ruhig, bleiben in Konflikten gelassen,
urteilen nicht vorschnell, lästern nicht, handeln „ethisch korrekt“ –
was auch immer das heißen mag.
Manchmal wird Charisma direkt mit emotionaler Intelligenz gleichgesetzt.
Als wäre sie die Fähigkeit, immer ruhig, klar, vernünftig zu sein.

So.
Ich hoffe, keiner hier denkt, dass diese Spitze des Eisbergs schon das Ganze zeigt.
Denn wie alles auf dieser Welt beginnt auch dieser Prozess tief im Inneren.
Dort, wo niemand hinsieht.
Dort, wo es unordentlich, roh und ehrlich ist.

Ich bestreite nicht, dass die gesellschaftliche Definition ganz falsch ist –
aber sie reicht mir nicht.
Ich will mir nicht nur die Wasseroberfläche anschauen;
wie sie glitzert und funkelt, während die Sonne mit den Wellen spielt.
Mich interessiert die Titanic auf dem Meeresgrund.

Das Schiff, das jeder namentlich kennt, aber keiner je gesehen hat.
Ich will wissen, wie viele Räume es hat, welche Schätze dort liegen
– und ja – die Leichen zählen.


Die hässliche Wahrheit

Emotionale Intelligenz ist, um es ganz unverblümt zu sagen, hässlich.
Die Titanic sieht schön aus, denke ich mir –
bis all die Leichen zum Vorschein kommen.
So viele Opfer.
So viel verlorene Hoffnung.

Je tiefer man in die Geschichte eintaucht, desto mehr Schuldige tauchen auf.
Die Konstrukteure, die Crew, die Rettungskräfte.
Man kennt die Geschichte.

Und so schön die Liebesgeschichte von Rose und Jack mit ihrem feurigen Funken Leidenschaft auch ist –
sie verdrängt nicht die Hässlichkeit der Realität.


Im Bewusstsein des Menschen

Ich bin hässlich.
In meinem Inneren trage ich Wunden, ich fresse Trauer in mich hinein und habe unethische Gedanken.

Je mehr ich in mich horche und die Mauern der Verdrängung,
die Humor-Burgen mit ihren Sarkasmustürmen
und die Felder der „Weisheit“ durchschreite,
desto näher gelange ich an den düsteren Wald heran,
dessen Bäume all das verdecken,
was ich mir am liebsten nicht anschauen wollen würde.

Das ist es, was emotionale Intelligenz tatsächlich bedeutet.

Ich habe so viel Unvollkommenheit, so viel Aufgewühltheit,
Berge an Selbstzweifeln in mir gefunden.
Es war bitter – und hässlich.
Die Überraschung über mich selbst ließ keine andere Haltung zu als Wertungsfreiheit.

Ich dachte:
„Mich wird niemals jemand lieben können.“
Und merkte eine Sekunde später,
dass ich längst geliebt werde.


Was emotionale Intelligenz wirklich ist

Wenn mich jemand fragen würde, was emotionale Intelligenz tatsächlich bedeutet,
würde ich antworten:

Zu wissen, wie fehlbar die eigene Meinung ist.
Zu erkennen, dass das Ego mir ständig im Weg steht
und dass viele meiner Impulsreaktionen aus Selbstzweifeln,
aus Ängsten, aus alten Wunden entstehen.

Emotionale Intelligenz heißt,
zu begreifen, welche Gewalt die eigenen Worte besitzen –
und durch das Wissen um die eigenen Schwachstellen differenzierter handeln zu können.

Ich weiß, dass ich in mir drin ein schlechter Mensch sein kann.
Nicht, weil ich „gestört“ bin,
sondern weil dort Wunden existieren, die ich trage.
Meine sehen anders aus als deine.

Es geht nur darum, zu wissen,
welche Form sie haben,
wie tief sie sind,
und wie viel Narbengewebe für Gefühlstaubheit sorgt.


Die stille Erkenntnis

Das ist es, worüber kaum jemand spricht.
Aber ich erkenne diese wissende Verletzlichkeit.

Ich sehe sie in den weichen Augen von Menschen,
die sich mit sich selbst auseinandersetzen.
Und ich sehe die unerschütterliche Verdrängung
in den verkniffenen Lippen und den ernsten Falten derer,
die glauben, sie seien gute Menschen.

Wunden hat jeder – und sie machen etwas mit uns.

Emotionale Intelligenz bedeutet,
seine eigenen Wunden zu kennen
und zu verhindern, dass man dieselben Narben weitergibt –
weder an Familie, noch an Freunde,
noch an Arbeitskollegen oder fremde Menschen.


Am Ende

Ich stelle an mich den Anspruch, zu verstehen,
wann mir Leid zugefügt wurde
und was genau das in mir ausgelöst hat.

Es geht um Verständnis und Akzeptanz der eigenen Person –
besonders jener Erinnerungen,
die ich niemals auf einem Bild festhalten würde.
Sie sind weit entfernt von der Definition von Ästhetik,
die in der Gesellschaft existiert.

Schade, denke ich.

Denn jeder fragt sich,
wie man emotionale Intelligenz verbessern kann.
Aber alle betrachten nur die feinen Herrschaften, wie sie heute sind.
Keiner weiß, dass sie zuvor jahrelang im Matsch gewühlt haben.

2 Antworten zu „Emotionale Intelligenz (empirisch),”.

  1. Avatar von Schwarzes Protokoll
    Schwarzes Protokoll

    Liebes Tagebuch!

    Wie ich sehe, waren Dir wunderschöne Wörter zugefallen — ganz ähnlich der Weise, wie auch dem braunen Boden die bunten Blätter der Bäume zugefallen waren.

    Bevor die dicke Daunenjacke des Denkers im Frühjahr also wieder abgelegt wird, will ich gerne versuchen, die Blätter — äh, Wörter — logisch und in limitierter Länge zu ordnen; auch wenn die meinigen wahrscheinlich weniger wuchtig und warm wirken werden, weil ich kein Autor bin.

    Kognitives Kleinholz

    Beginnen wir doch mit dem Begriff der Intelligenz.

    • Abstraktes Denken
    • Lexikalisches Wissen
    • Sprachliche Ausdrucksfähigkeit
    • Arithmetisches Verständnis
    • Räumliche Wahrnehmung
    • Taktile Differenzierung
    • Auditive Mustererkennung
    • Feinmotorische Kontrolle
    • Grobmotorische Koordination
    • Mentale Manipulation
    • Assoziatives Lernen

    All diese Elemente und mehr gelten als grundlegende Fähigkeiten des Geistes. Sie werden im anerkannten Cattell-Horn-Carroll-Modell (Intelligenzmodell), dokumentiert und Fähigkeitsgruppen zugeordnet:

    • Fluides Schlussfolgern
    • Kristallines Wissen
    • Visuelle Verarbeitung
    • Auditive Verarbeitung
    • Taktile Verarbeitung
    • Verarbeitungsgeschwindigkeit

    Psychometrischer G-Punkt

    Dabei stehen die Fähigkeiten in doller positiver Korrelation miteinander — man spricht auch von positiver Mannigfaltigkeit. Der Umstand legt die Existenz einer latenten (verborgenen) Variable nahe, welche als Quelle für geistige Leistungsfähigkeit gesehen werden kann. Sie wird als g (Generalfaktor der Intelligenz) oder schlicht Intelligenz bezeichnet. Der mit Hilfe Intelligenztests ermittelte Intelligenzquotient soll jene approximieren.

    Falls Dir ein Faktor nicht Punkt genug ist, lass mich die simple Kernaussage dieses Teils ausformulieren:

    Intelligenz beschreibt das, was man hat.

    Homo Dispositus

    Auch in der Persönlichkeitsforschung zeigt sich empirisch, dass verschiedene Dispositionen (Verhaltenstendenzen beziehungsweise Persönlichkeitseigenschaften) nicht unabhängig sind, sondern miteinander korrelieren. Nach einer Faktorenanalyse ergeben sich die folgenden Dimensionen der Persönlichkeit, die sogenannten Big Five:

    • Offenheit
    • Gewissenhaftigkeit
    • Extraversion
    • Verträglichkeit
    • Neurotizismus

    United States of Traits

    Auch hier kann analog zur Intelligenzforschung wieder ein übergeordneter Faktor extrahiert werden, der eine gemeinsame Varianz aller fünf Dimensionen erfasst. Dieser wird Big One (Generalfaktor der Persönlichkeit) genannt.

    Er korreliert positiv mit Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit. Er korreliert negativ mit Neurotizismus.

    Dabei werden leicht unterschiedliche Gründe für seine Existenz vermutet:

    • Soziale Erwünschtheit
    • Soziale Effektivität
    • (allgemein) Vorteilhafte Lebensstrategie

    Die Parallele zur kognitiven Fähigkeitsstruktur ist jedenfalls unverkennbar. Entsprechend teile ich wieder einen ausgesprochen profunden Punkt:

    Persönlichkeit beschreibt das, was man tut.

    The Fast and the Curious

    Zwischen dem „Haben“ und dem „Tun“ liegt eine weite Strecke. Reine kognitive Leistungsfähigkeit ist schließlich kein Selbstzweck; sie verlangt nach Anwendung. Getrieben von unseren Grundbedürfnissen sind wir gezwungen, dieses intellektuelle Kapital zu investieren, um handlungsfähig zu werden. So wird Intelligenz durch Übung und Willen in Kompetenzen transformiert. Neben essenziellen sozialen Kompetenzen gehören dazu:

    • Rechnen
    • Schreiben
    • Reparieren
    • Verhandeln
    • Organisieren
    • Programmieren

    Auch die (kognitive) Empathie beispielsweise fällt in diesen Bereich, weil sie Fähigkeiten verschiedener Gruppen (darunter: fluides Schlussfolgern, kristallines Wissen, visuelle Verarbeitung) kombiniert.

    Kompetenzen beschreiben das, was man kann.

    Multiple Intelligenzstörung

    Nun hatte ein gewisser Howard Gardner eine grandiose Idee. Er schaute sich an, welche Kombinationen an Fähigkeiten, Dispositionen und Kompetenzen jemanden im Leben erfolgreich machen konnten, traf nach „künstlerischem Ermessen“ (seine Worte) eine Auswahl und hat dementsprechend acht oder neun vermeintlich eigenständige „Intelligenzen“ postuliert:

    • „Sprachliche Intelligenz“
    • „Logische Intelligenz“
    • „Musikalische Intelligenz“
    • „Räumliche Intelligenz“
    • „Körperliche Intelligenz“
    • „Interpersonale Intelligenz“
    • „Intrapersonelle Intelligenz“
    • „Naturalistische Intelligenz“
    • „Existenzielle Intelligenz“

    Hätte Gardner die Gaben zum Garen besessen, wäre die Liste mit Sicherheit um eine „Kulinarische Intelligenz“ von ihm ergänzt worden. Allein die Erfindung von „Musikalischer Intelligenz“ statt wenigstens „Auditiver Intelligenz“ zeigt schon deutlich genug, dass es dem Autor der „Theorie der multiplen Intelligenzen“ mehr um eine Würdigung menschlichen Schaffens ging als um Wissenschaft. Die alternative Deutung ist, dass er schlicht Aufmerksamkeit wollte.

    Homöopathie für’s Hirn

    Der Eindruck entsteht leicht. Denn die Selbsthilfeliteratur, welche üblicherweise solche pseudowissenschaftlichen Begriffe verwendet, verspricht viel, verkündet am Ende aber in den meisten Fällen nur Trivialitäten. Ich rufe den Ratgeber „How To Not Die Alone: The Surprising Science That Will Help You Find Love“ in Erinnerung, den ich ausschließlich (!) aus Gründen der Langeweile gelesen hatte. Direkt im Titel wird mit „erstaunlicher Wissenschaft“ geworben, doch eigentlich hätte man den gesamten Inhalt fast auf die folgenden Punkte reduzieren können:

    • Lächle.
    • Sei nicht arm.
    • Stelle viele Fragen.
    • Ghosting ist verletzend.
    • Leg das Smartphone weg.
    • Trage keine Sonnenbrille.
    • Bad Boys sind schlecht.
    • Niemand ist perfekt.

    Man nimmt Binsenweisheiten; Einsichten, welche die meisten Menschen durch minimale Lebenserfahrung ohnehin gewinnen. Man verdünnt sie mit wissenschaftlich klingendem Vokabular. Man unterfüttert sie mit zitierten Studien. Man verkauft sie als bahnbrechende Erkenntnis. Je stärker die Verdünnung der tatsächlichen Substanz, desto höher die versprochene Wirkung.

    Das Problem ist nicht, dass die Ratschläge falsch wären; meist sind sie trivial richtig. Das Problem ist die Täuschung. Leser erhalten den Eindruck, sie hätten exklusives, wissenschaftlich fundiertes Wissen erworben. Sie fühlen sich anderen überlegen, jedoch haben sie lediglich das Offensichtliche in akademischem Gewand konsumiert. Es heißt, „Wissen ist Macht“, und Menschen, die glauben, mehr zu wissen, halten sich gerne für besser.

    Diese Selbstüberschätzung ist nicht harmlos. Sie immunisiert gegen Kritik und erzeugt Hybris. Wer sich aufgrund solcher Literatur als „alternativ intelligent“ sieht, fühlt sich tendenziell dazu berechtigt, anderen zu erklären, wie sie fühlen sollten und welche Reaktion in einer bestimmten Situation die richtige wäre.

    Prophet der Platitüden

    In diesem Kontext ist mir Deine Vorliebe für euphemistische Redewendungen aufgefallen.

    Ein abgebranntes Haus ist eine gute Gelegenheit, um ein noch viel gewaltigeres Haus zu bauen.

    Autor des Rosa Tagebuchs vor einiger Zeit

    Solche Aussagen gehen an der Lebensrealität der meisten Menschen vorbei. Wer sein Haus verliert, hat selten die Mittel, ein größeres zu bauen. Er hat oft nicht einmal die Mittel, das alte zu ersetzen.

    Die Formulierung suggeriert: Jede Krise ist eine Chance. Jeder Verlust ein Gewinn.

    Popelige Positivitätspornographie.

    Sie dient nicht dem Betroffenen. Sie dient dem Betrachter. Sie erlaubt ihm, sich gut zu fühlen.

    • „Alles hat einen Sinn.“
    • „Alles geschieht aus einem Grund.“
    • „Was dich nicht umbringt, macht dich stärker.“

    Diese Phrasen sind nicht nur empirisch falsch. Sie sind moralisch problematisch. Sie verlagern die Verantwortung auf das Opfer. Sie entlasten die Gesellschaft. Sie verschleiern strukturelle Ungerechtigkeit.

    Wer arm bleibt, hat die Chance nicht genutzt. Wer krank bleibt, hat nicht die richtige Einstellung. Wer in irgendeiner Form psychisch oder physisch leidet, hat nicht verstanden, dass Leiden ein Geschenk ist.

    Im Wesen nichts Neues

    Das Konstrukt der „Emotionalen Intelligenz“ von Daniel Goleman entstammt der gleichen Grundlage, wie Gardners fragwürdige Theorie. Man hat sich von ihm inspirieren lassen und hat „Interpersonale Intelligenz“ sowie „Intrapersonelle Intelligenz“ in einem ebenso irreführenden Begriff kombiniert.

    Die Unklarheit, rosa Büchlein, welche Du adressierst, ist gewollt. Dein Eintrag ist eine Verschlimmbesserung, auf die ich gleich eingehen werde.

    Jedenfalls existieren drei verschiedene Modelle der „Emotionalen Intelligenz“, die komplett unterschiedliche Dinge messen:

    • Fähigkeitsmodell
    • Gemischtes Modell
    • Eigenschaftsmodell

    Das erste behandelt Kompetenzen, das letzte Dispositionen und das ursprünglich von Goleman vorgeschlagene Modell will beides können.

    Mit der Validität der einzelnen Modelle will ich mich nicht umfassend auseinandersetzen; die letzteren korrelieren allerdings, wie erwartet, schwach mit g und stark mit den Big Five sowie dem Big One. Damit ist die Kategorisierung dessen, was „Emotionale Intelligenz“ misst, als „Intelligenz“ schonmal grundsätzlich ein Fehler.

    Die Korrelation des Eigenschaftsmodells mit dem Big One ist sogar stärker als die des Big One’s mit den Big Five, von denen jener extrahiert wurde. In dem Fall gilt:

    „Emotionale Intelligenz“ ≈ Big One (Persönlichkeit)

    Saccharine Süßmaus

    Weil eine möglichst hohe „Emotionale Intelligenz“ als erwünscht gilt, dem Big One gleicht und dieser den Big Five übergeordnet ist, schieben wir also einmal alle fünf Regler der Persönlichkeit auf ihre maximale beziehungsweise in einem Fall minimalste Stufe:

    • Offensive Offenheit
    • Grenzenlose Gewissenhaftigkeit
    • Extreme Extraversion
    • Vollkommene Verträglichkeit
    • Neutralisierten Neurotizismus

    Der perfekte Vergleich für das Ergebnis ist Saccharin (C₇H₅NO₃S):

    • Wasserstoff (H): Bewegliches Element mit flexibler Bindungsbeteiligung
    • Kohlenstoff (C): Strukturbildendes Element mit stabiler Gerüstfunktion
    • Stickstoff (N): Reaktives Element mit richtungsprägender Wechselwirkung
    • Sauerstoff (O): Elektronegatives Element mit ausgleichender Affinität
    • Schwefel (S): Spannungsfähiges Element mit kontrollierter Reaktivität

    Es handelt sich um einen synthetischen Süßstoff, der bis zu 500-mal süßer ist als der gewöhnliche Haushaltszucker. Führt man sich nun vor Augen, dass viele Menschen ihre Persönlichkeit dahingehend „optimieren“ wollen, zeichnet sich das folgende Bild ab:

    Planet der Süßmäuse

    Das wird der Grund sein, warum ich keinen Schritt vor die Tür setze. Mir wäre viel lieber, die schweigsame Schildkröte wäre der Standard, an dem sich Menschen messen, nicht die saccharine Süßmaus. Aber gut.

    Sankt Sentimental

    Nun zu der Verschlimmbesserung. Obwohl die „Emotionale Intelligenz“ besser als Maß eines Persönlichkeitstests betrachtet werden sollte, wird in Deinem Eintrag eine normative Bewertung vorgenommen. Bildhaft wird von jenen Menschen mit „weichen Augen“ und jenen mit „verkniffenen Lippen“ geschrieben — mit der Intention, die einen besser aussehen zu lassen als die anderen.

    Abgesehen davon, dass dies an die Physiognomik der Antike erinnert, verfügt das Maß selber doch gar nicht über eine solche Urteilskraft. Goleman hat in seinem Buch Lebenserfolg versprochen hat, nicht etwa moralische Güte.

    Es ist Böses im Schilf!

    Stellen wir uns einen Ententeich vor:

    Die Entenmutter führt ihre Küken durch das seichte Wasser. Im Schilf lauert der Hecht. Er ist ein Meister der Wahrnehmung. Er spürt die feinsten Vibrationen, beherrscht perfekte Impulskontrolle und kann stundenlang absolut regungslos verharren. Den Fluchtweg seiner Beute ahnt er voraus. Ein Küken war zu schwach und fiel zurück. Es hatte nie wirklich eine Chance.

    Die Lehre ist, dass eine wie auch immer geartete Ausstattung (Empathie, Selbstkontrolle und so fort) für schlechte wie gute Zwecke verwendet werden kann. Das geht aus Deinem Eintrag nicht hervor. Dort werden scheinbar alle, die irgendwann mal im „Matsch gewühlt haben“, zu „feinen Herrschaften“, was bildlich meiner Ansicht nach übrigens irgendwie widersprüchlich ist.

    Tatsächlich setzt moralisch gutes Handeln gewisse Moralvorstellungen voraus.

    • Fähigkeiten sind insuffizient.
    • Dispositionen sind insuffizient.
    • Kompetenzen sind insuffizient.

    Dirty Denking

    Gedanken sind nie „unethisch“ oder schlecht, denn Moralität bezieht sich auf Handlungen. Wer nicht schlecht gehandelt hat, dem trifft auch keine Schuld.

    No Brain, No Pain

    Muss schlafen — nur noch eine Sache vielleicht: Würdest Du den Gedanken, dass Wunden konsequent nicht weitergegeben werden sollten (ein guter Gedanke), mit dem kleinsten Bisschen Logik weiter verfolgen — das Wort steht meine ich auf der Startseite —, dann würdest Du bei der einfachen Erkenntnis landen, dass alles (empfindsame) Leben verwundbar und zumindest dessen Initiation damit keineswegs gewollt sein kann. Die Lebensweisheit mit dem Haus, dem Kind und dem Baum wäre demzufolge absolut keine Weisheit mehr.

    Ich lass den Kommentar beziehungsweise Entwurf eines Kommentars einfach mal so stehen, denke ich.

    Gute Nacht, Tagebuch!

    Das Schwarze Protokoll

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    1. Hallo Schwarzes Protokoll,
      ich schätze Multiperspektivität. Du hast aus einem subjektiven Gedanken meinerseits eine Debatte angeführt, die mich eingefangen hat!

      Ja, es wird deutlich: Deine Perspektive ist klar ausgearbeitet, und auch dich beschäftigt die Diskussion um den Begriff der (emotionalen) Intelligenz. Mein bewusst eng gefasster Ansatz wird durch das Einbringen deiner subjektiven Betrachtung ergänzt. Denn ich erkenne keinerlei Widerspruch in der Koexistenz unserer zwei Meinungen.

      „Warum?“ fragt man sich nun.
      Ich lese einen aufgekommenen Diskurskonflikt – eventuell einer fehlenden Definition meinerseits des Begriffs „empirisch“ geschuldet.
      Denn in der Tat lässt sich der Begriff „empirisch“ in zwei Bedeutungsrahmen einbetten:

      1. empirisch – abgeleitet aus dem griechischen empeiría, das übersetzt „Erfahrung“ bedeutet.
      => Im philosophischen Sinne bedeutet „empirisch“ also „auf Erfahrung beruhend“.

      Assoziiert wird damit:
      – Rückgriff auf Emotionen
      – Beschreibung der subjektiven Wahrnehmung
      – Limitierung durch das eigene Weltbild
      – Bezug auf (subjektiv) gewonnene Erkenntnisse

      2. empirisch = wissenschaftlicher Sprachgebrauch
      => Analyse und Erforschung eines Themenfeldes durch wissenschaftlich fundierte Paper, ökonometrische Modelle und Quellenarbeit.

      – Assoziiert wird damit:
      – fundiertes Wissen
      – Arbeit mit Variablen
      – Erheben von Statistiken
      – systematische Datenauswertung

      So, da haben wir unseren gemeinsamen Nenner nun aufgespalten.

      Ich persönlich bin sehr glücklich über die Darlegung beider Seiten und denke, es ist durchaus angebracht, das Thema umfangreich zu betrachten. Denn Intelligenz ist kein Begriff, der von der Wissenschaft, der Gesellschaft oder der Meinung einer einzelnen Person bis dato unanfechtbar universell erklärt wurde.

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