Visionär:in,

Medaillen des 40. Haspa Marathons 2026 in Hamburg

Visionär:in,

Freitag, 22. Mai 2026,

Ich denke, also handele ich. (Lat.: Cogito, ergo ago.)

Ich denke und denke und denke – vor allem gerade darüber nach, ob ich diese Worte schreiben will. Denn entgegen meiner eigenen Regeln schreibe ich gerade über das, was ich tun will, ohne es wirklich zu tun.

Michael Jackson hat – wie so ziemlich jeder Musiker – seinen eigenen Film erhalten.
„MICHAEL“ – veröffentlicht 2026. Das ist aktuell Kult. Bist du Musiker, wird ein Film über dich gedreht. Ganz gleich, ob du lebst oder als Legende gestorben bist.

A Star Is Born zeigte Lady Gaga im Jahr 2018, Rocketman erzählte 2019 von Elton John, Taylor Swift verfilmte 2025 den Dreh der Musikvideos ihres Albums The Life of a Showgirl und Michael Jackson darf als Popikone mit pressewirksamen Traumata 2026 ebenfalls am Gespräch über Verfilmungen teilnehmen.

Sicherlich war er Gerüchten zufolge vor seinem Ableben 2009 nicht exakt der Mann, der in diesem Film gezeigt wird. Und dennoch beginne ich liebend gerne mit einem Zitat aus seinem Song Man in the Mirror:

„I’m starting with the man in the mirror
I’m asking him to change his ways.“

Eine Songzeile, die existiert. Du kannst sie sehen, du kannst sie hören – und schaust du in den Spiegel, dann hast du sie direkt vor dir stehen.

Ich bezeichne diese Worte leidenschaftlich gerne, mit dem Stilmittel der Hyperbel im Hinterkopf, als einen Gegenstand mit Substanz. Denn sie existieren über den Tod von Michael hinaus.

Über Visionäre zu berichten birgt ein gewisses Risiko als schreibende Person. Denn wer auch nur eine Sekunde länger über diese von mir geschriebenen Worte nachdenkt, wird sich fragen, ob ich mich in die Reihe von Menschen eingliedern möchte, die nicht bloß existierten, sondern darüber hinaus etwas bewegen wollten.

Doch allein die Tatsache, dass ich mir die Zeit nehme, über Visionäre zu schreiben, anstatt meine eigenen Gedanken kompromisslos preiszugeben, spiegelt eher die Tat einer Reproduktion wider – nicht jedoch die Weiterentwicklung eines in meinem Kopf entstandenen Konzeptes.

So können wir uns darauf einigen, dass ich mich mit Personen auf eine Bank setze, die Klatsch und Tratsch gutheißen. Ihr dürft den Schwall an Worten, der aus mir herausbricht, als einen Wasserfall betrachten, der mit dem Strom fließt.

Wie sollte eine Person, die Social Media konsumiert, sich Inspiration aus Bildern holt, die andere Menschen gemacht haben, und Worte zitiert, die ein toter Mensch einst sagte, ein Visionär sein?

Wie könnte ein Mensch, der einen Trendsport macht, der sich regelmäßig sozialen Vergnügungen in einer Großstadt hingibt und im Bildungssystem einen Platz finden will, das schlicht Arbeiter hervorbringt, zu einem Visionär werden?

Wie könnte eine Person, deren Gedanken niemals schweigen und deren Bekanntenkreis diesen Menschen als „verträumt“ im negativen Sinne beschreibt, ein Visionär werden, wenn die Meinung anderer Menschen keinesfalls egal ist?

Ich bewundere den Wunsch, etwas auf der Welt verändern zu wollen. Denn bevor die Welt verändert wird, wirst du dich verändern.

Geradezu akrobatische Verrenkungen müssen gemacht werden, bis überhaupt ein Weg gefunden wird, auf dem du sicher Fuß fassen kannst. Und die Zeit – sie fühlt sich verschwendet an.

Denn eine Idee zu haben, die zu etwas Neuem führen könnte, ist wie eine Investition ohne entsprechenden Versicherungsabschluss.

In der Gesellschaft ist kein Platz für Neuheiten. Denn sie alle beherbergen ein Risiko, über das die Gesellschaft nichts weiß. Statistiker prognostizieren nicht den Erfolg eines Gedankenguts, das dir gekommen ist. Die Gesellschaft interessiert sich nicht für Ideen, solange sie nicht gefruchtet haben…

Jede gute Geschichte hat einen Plottwist. Eine unvorhergesehene Wendung, die all jene zuvor gesagten Worte in ein neues Licht rückt.

Der hiesige Scheinwerfer dieses Blogbeitrags ist gerichtet auf:

„Jeder Mensch hat eine Idee.
Sie ist da, bereit, geformt und sichtbar gemacht zu werden.“

Was bedeutet es also wirklich, ein Visionär zu sein, frage ich mich.

Vielleicht beginnt Vision dort, wo Nachahmung endet.

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