Bist du es denn? Also glücklich.

Bist du es denn? Also glücklich.

Dienstag, 25. Aug. 2026,

Als ich auf der Arbeit im Altenheim damals von meiner liebsten Seniorin gefragt wurde

„Bist du denn glücklich?“

und mit „Ja“ geantwortet habe, da meinte ich es auch so.

Ja, bis heute meine ich es so – natürlich bin ich glücklich, warum auch nicht? Ich arbeite schließlich hart dafür, meine Zufriedenheit zu priorisieren.

Jetzt erst, nachdem ich das erste Mal in meinem Leben eine Phase erlebt habe, in der ich wirklich mit „Nein“ auf diese Frage antworten musste, da verstehe ich so vieles um mich herum besser. Ich wusste nicht, dass es wichtig sein könnte, auch einmal unglücklich sein zu wollen – wenigstens für eine kurze Zeit im Leben. Denn jetzt begreife ich immer mehr, wie viele Menschen um mich herum tatsächlich unglücklich sind (ohne dass man es sofort bemerkt). Nicht für eine kurze Phase, sondern von Grund auf.

Ich sehe einen Unterschied in den Entscheidungen, die glückliche Menschen treffen. Denn die Verantwortung und Selbstsicherheit lässt sich in den Augen erkennen. Da ist eine lodernde Flamme, die aus tiefer Überzeugung entspringt. Und nichts hinter diesen Augen lässt auf Leichtigkeit und Sorglosigkeit schließen. Ich sehe Erfahrungswerte und weiß, dass die Fragen, die ich stellen könnte, sehr umfangreiches Wissen aus diesem Menschen sprudeln lassen würden. Glücklich zu sein geht selten mit Sorglosigkeit oder Leichtigkeit einher. Es ist die Eigenverantwortung dafür, den Menschen, den man im Spiegel anschaut, nicht anzulügen. Ein hoher Wahrheitsanspruch ist vielleicht das Unangenehmste, dem man sich selbst aussetzen kann. Denn wer aufhört, sich selbst anzulügen, erkennt die eigenen Fehler, die eigenen Schwächen, die Unvollkommenheit. Und niemand möchte vor Augen geführt bekommen, in Wahrheit kein guter Mensch zu sein. Oder in einer erschaffenen Traumwelt zu leben, während die eigene Realität dauerhaft Unzufriedenheit schafft. Oder zu erkennen, vor wie vielen Situationen man eigentlich Angst hat. Oder zu bemerken, welche Coping-Mechanismen man sich antrainiert hat.

Irgendwann, es gab niemals einen genauen Zeitpunkt, habe ich einmal für mich entschieden, mein Glück zu priorisieren – mit allem, was dazugehört. Denn das Leben lebt sich einfach so viel angenehmer, wenn man von Grund auf zufrieden mit sich selbst ist. Diese These habe ich einmal aufgestellt und bestätige sie jeden Tag aufs Neue. Womit ich damals nicht gerechnet habe, war, dass diese Entscheidung irgendwann einmal auf Irritation treffen könnte.

Mir wurde häufig, häufiger noch, als ich zugeben möchte, ins Gesicht gesagt „Ich mag dich nicht“, ohne zu probieren, mich kennenzulernen. Ich habe Jahre gebraucht, um zu verstehen, warum meine Persönlichkeit so eine heftige Reaktion in einem anderen Menschen auslösen kann.

Und ich durfte mich dafür rechtfertigen, weshalb es mir so leichtfällt, Menschen aus meinem Leben gehen zu lassen, die einmal ein Teil meiner Welt waren. Es wird nicht gerne gesehen, wenn ich Aussagen treffe wie „Es fällt mir leicht, auf Menschen zuzugehen, aber auch, sie loszulassen“. In diesem Punkt wurde ich häufig von Außenstehenden als kalt oder gefühllos bezeichnet.

Wer nach Zufriedenheit strebt, lebt kein stagnierendes Leben. Es gibt Höhepunkte und Tiefen. Ich möchte nicht preisgeben, welche Kosten ich ganz bewusst dafür in Kauf nehme, dauerhaft mit mir selbst zufrieden zu sein. Und ich möchte nicht darüber sprechen, was ich lernen musste, um ein Zufriedenheitslevel zu halten, während ich älter und gleichzeitig anspruchsvoller geworden bin. Aber der Irrglaube, Zufriedenheit würde einfach existieren, sollte in einer Argumentation mir gegenüber nicht fallen. Denn ich habe Beweise, Erfahrungswerte, ja ein Stundenprotokoll in meinem Kopf, das beschreibt, was mit wirklicher Zufriedenheit realerweise einhergeht.

Ich glaube nicht, dass diese Worte zum Ausdruck bringen, welche Lebenslektionen ein Mensch lernt, der nicht bloß überleben, sondern vor allem leben möchte. Aber wenn ich sage, dass ich keine Angst davor habe, Anfängerin in etwas zu sein, zu scheitern oder emotional verletzt zu werden, dann liegt es daran, dass ich mich gerne für den Weg im Leben entscheide, der sich richtig anfühlt. Nicht leicht, nicht unbedacht, sondern wie die Wahrheit.

Vier Begriffe sind es, die ich in einer Kategorie für mich zusammenfassen kann:

Zufriedenheit, Wahrheit, Beziehung, Erfolg – sie lassen sich als „unbequem“ beschreiben, denn sie alle sorgen dafür, dass du dich veränderst, wenn du dich dafür entscheidest, nach ihnen zu leben. Das ist nicht immer schön. Sondern der Beginn von Veränderung.

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