Warum ich in Paris bin,

Warum ich in Paris bin, 

Mittwoch, 5. Aug. 2026,

 

Ich reise alleine. Nicht nur, um einmal sagen zu können „ich war alleine reisen“, sondern für all das, was zwischen den Zeilen steht. 

Das schlimme ist, dass ich gefallen daran gefunden habe – ganz so, als wäre ich wieder frei, nachdem dort klare Grenzen existierten, die da hießen „routine“. Keine Stagnation oder introvertiertes Verhalten. Eher die Eigenverantwortung, erholt genug zu sein um seine Ziele langfristig erreichen zu können oder etwa der Freundeskreis, der aus ganz bestimmten, sehr vertrauten Personen besteht. 

 

Paris ist anders für mich, denn hier kennt mich niemand. Ich lerne nur neue Menschen kennen, sehe neue Orte, höre eine fremde Sprache und genieße es, nichts davon zu kennen – noch nicht. 

Freiheit bedeutet für mich, keine Grenzen zu sehen. Egal in welche Richtung ich schaue, überall existiert potential, um zu wachsen. Ich darf kennenlernen, anstatt nur einen neuen Weg von der Arbeit nach Hause zu wählen. Und ich lerne, mit Menschen zu kommunizieren, die meine Sprache nicht verstehen (nicht einmal Englisch). Ich bin umgeben von glücklichen reisenden Menschen – mir ist aufgefallen, wie viele Komplimente zufriedene Menschen verteilen. Vielleicht verändert Zufriedenheit Sprache, frage ich mich jetzt? 

 

Doch das, was ich wirklich erleben durfte, ist ein besonderes Gefühl, das ich lange vermisst habe: Vorsicht. 

Vorsichtig nehme ich einen neuen Weg, um von meinem Hostel zum Jardin du Luxembourg zu spazieren. Und vorsichtig kommuniziere ich mit meinen Mitbewohnern aus China, Chile, Indien und NewYork, da dort eine reale Sprachbarriere existiert, die ich in meiner Stadt nicht habe. Vorsichtig probiere ich neues Essen, lerne andere Sprachen, verändere mich mit jedem neuen Erlebnis. 

Ich möchte erwähnen, dass es mich überrascht, wie sich diese Erfahrung entwickelt. Denn wer mich kennt, weiß dass ich keinerlei Berührungsängste habe, was fremde Menschen angeht. Ehe ich überhaupt wusste, wie mir geschah, betrachtete ich Skizzen einer Architektin aus den USA, sprach mit einem Künstler aus der Provence über Farben, flirtete mit Franzosen und ließ mir chinesische Wörter beibringen. All das in einem geradezu schüchternen Verhältnis – das ist etwas, was ich sonst niemals bin. 

 

Wenn die Selbstverständichkeit dafür genommen wird, dass die gleiche Sprache gesprochen wird, Fortbewegungsmittel bekannt sind oder die Kultur als unausgesprochener Verbindungspunkt eben nicht mehr da ist, dann beginnt die Sicht auf die Welt, sich zu verändern. Ich wollte genau das endlich einmal erleben. 

 

Wenn mich also jemand fragt: warum Paris? 

Dann geht es nicht um die Stadt, sondern das Leben als Lehrer. Ich nehme die Lektionen mit. 

 

Mir widerstrebt es, irgendwann einmal zu sagen „diese Zeit hat mich so sehr geprägt“, aber ich möchte betonen, dass entweder ich in diese Situation passe oder die Situation zu mir – und daraus entsteht meist etwas Gutes. Was es ist, das wird sich zeigen. 

 

Wenn ich dich, lieber Leser, schon nicht hier bei mir haben kann, dann hoffe ich, dass der Text dich wenigstens mit in meine Gedankenwelt geholt hat. Ganz gleich, auf welche Art und weise. Ich für meinen Teil habe gelernt, dass ich Sicherheit nicht mit Lebendigkeit verwechseln möchte. 

 

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